Unsere aktuelle Ausgabe 6/2011 zum Thema »Virtuelle Welten« mit folgenden Beiträgen:
Editorial
Julia Knop
Virtuelle Welten – Neue Medien
Erkundungsgänge
Unsere Welt verändert sich. Das ist gut so und das soll so sein, denn Dynamik und Entwicklung sind Signaturen des Lebendigen, erst recht des Lebendigen, das die Schwelle zum Geistigen überschritten hat: des Menschen. Er schafft sich seine Welt, indem er Welt betrachtet und versteht, analysiert und konstruiert und indem er sich in dieser seiner gedeuteten und gestalteten Welt selbst zum Gegenstand des Betrachtens und Nachdenkens macht. Wie er die Welt sieht, so erscheint sie ihm; wie er sie gestaltet, so wird sie ihm – im Guten wie im Schlechten.
Virtuelle Realität und die alles bestimmende Wirklichkeit, die wir Gott nennen
1. Gott oder Virtualität?
Gott ist die alles bestimmende Wirklichkeit. So lautet eine der bekanntesten Bestimmungen Gottes.1 Die Wirklichkeit schlechthin, die «wirklichste Wirklichkeit»2, die Grund wie Ziel aller uns begegnenden und von uns erfahrenen Wirklichkeit ist. Der Wirklichkeitsbegriff korrespondiert hier mit demjenigen des Seins im Sinne von Existenz: Gott ist, und dadurch, dass er ist, und dass er ist, was er ist (schlechthin unbedingtes, selbstursprüngliches Sein) ist überhaupt alles, was ist.
Der Glaube an Gott als die alles bestimmende Wirklichkeit setzt zwei Unterscheidungen voraus: die Unterscheidung zwischen Sein und Schein und diejenige zwischen Sein und Nichts, d.h. zwischen Existenz und Nichtexistenz. Das mutet zunächst trivial an, denn jede Rede von Gott muss sich selbstverständlich mit der Frage auseinandersetzen, ob Gott überhaupt existiert, oder ob er nichts anderes als eine Fiktion der Vernunft ist, selbst wenn diese Vernunft nicht anders kann als die Gottesidee zu denken. Doch diese Frage verschärft sich im Blick auf das Phänomen der virtuellen Realität, und damit auch das Problem der Unterscheidung von Sein und Schein.
Neurobiologische Hintergründe von Veränderungen unserer Vorstellungskraft im Zeitalter digitaler Medien
Unvorstellbar war es noch für unsere Eltern, dass es irgendwann einmal möglich sein würde, eine virtuelle Welt zu schaffen – eine Welt, die man mit Hilfe moderner Geräte erzeugt, in die man eintauchen kann und in der man seine Vorstellungen ganz so, wie es einem gefällt, umsetzen, in der man also in Gedanken leben kann. Geträumt haben die Menschen von solch einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten wohl schon immer. Aber erst jetzt zu Beginn des 3. Jahrtausends ist dieser Traum zum ersten Mal zu einer greifbaren Realität geworden – wenigstens für die meisten Menschen der hochentwickelten Industriestaaten.
Nein, glücklich war Theodor W. Adorno über Gustav Mahlers Zweite Symphonie nicht. Auch wenn wohl die meisten Hörer Mahler an diesem Stück lieben lernten, so führte er in seinem späten Mahler-Buch aus, sei es das Werk, das am raschesten verblassen dürfte. Und zwar «durch Redseligkeit im ersten Satz und im Scherzo, durch einige Primitivität des Auferstehungsfinales »1. Das zwiespältige Urteil des Musikwissenschaftlers Adorno spiegelt eine gewisse Befangenheit in der Bewertung der Symphonie. Einerseits konnte er sich der monumentalen Kraft dieses Riesenwerks nicht entziehen. Auf der anderen Seite störten ihn Mängel, die bei aller sonstigen Wertschätzung des Komponisten das betreffende Werk eher auf die hinteren Ränge verschoben.