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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/com.2017.4.363–371
Peter Hersche
CHRISTENTUM UND GÄRTEN IM EUROPA DER FRÜHNEUZEIT
Auf den ersten Blick scheinen christliche Religion und Gärten direkt gar nichts miteinander zu tun zu haben. Höchstens lässt sich ein negativer Zusammenhang herstellen, nämlich die Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Garten des Paradieses. Im folgenden geht es daher darum, historische Gartenanlagen im Rahmen von Institutionen und Personen mit christlichem Hintergrund in Augenschein zu nehmen. Zeitlich liegt der Schwerpunkt auf der Neuzeit, räumlich im katholischen Europa. Die letztere Einschränkung hat mehrere Gründe. Zunächst einmal die banale Tatsache, dass die protestantischen Länder vornehmlich im Norden liegen, die katholischen – und man ist hier versucht zu sagen, die «erzkatholischen» – in den Mittelmeerländern, im deutschsprachigen Raum auch eher im Süden. Nun leuchtet es ein, dass dort aus rein klimatischen Gründen der Reichtum an Nutz- und Schmuckpflanzen in Gärten, welcher Art auch immer, größer sein kann als im frostigen Skandinavien oder in Schottland. Konkurrieren mit dem Süden könnten allenfalls die bekannten englischen Gärten. Diese sind aber eine neuere Erscheinung, finden sich geographisch meistens in der milden Landschaft Kent und zeichnen sich vor allem durch ihre Blumenpracht aus.

Der zweite Grund liegt in der in den katholischen Ländern vorherrschenden «agrarischen Mentalität». Man war dort an der Entwicklung zur Industrie, die in den protestantischen Staaten in der Frühneuzeit einsetzte, kaum interessiert, sondern fand nach wie vor die agrarische Tätigkeit, allenfalls noch die handwerkliche, als einzige dem Menschen angemessene; eine Einstellung, die wir z.B. bei Karl Borromäus finden und die im gewaltigen agrarischen Aufschwung Italiens seit dem 17. Jahrhundert ihren sprechendsten Ausdruck fand. In dieser Denkweise hatten auch Gärten einen bedeutenden Platz. Die Erörterungen dazu bilden stets einen Teil der vielen agrartechnischen Traktate, die damals erschienen und die nicht selten von geistlichen Autoren verfasst wurden. Der Übergang zwischen Ackerbau, Obstkulturen, Gemüsebeeten und anderen Kulturen war aber oft fließend: Was wir heute im Allgemeinen abgesondert in den Gärten pflanzen, fand sich damals auch außerhalb von diesen und umgekehrt. Zitronenbäume wurden an den oberitalienischen Seen in hoch ummauerten Parzellen gezogen (Limonerien), umgekehrt wuchsen Obstund Maulbeerbäume teilweise im Ackerland (die so genannte zweistöckige Landwirtschaft). Die so ermöglichte große Diversität der italienischen Landwirtschaft war eine ihrer Stärken: Fiel die Ernte eines Produkts wegen schlechten Wetters oder Schädlingen aus, so hatte man noch eine Menge andere. Und wenn wir schon Karl Borromäus erwähnen: Eine der berühmtesten Anlagen der Gartenkunst in Europa, nämlich die «hängenden » Gärten auf der Isola Bella im Lago Maggiore wurde von einem Angehörigen dieser Familie geschaffen und befindet sich immer noch im Familienbesitz, wird aber jährlich von Zig-Tausenden von Touristen besucht. Andere Gründe, weshalb das katholische Europa mehr zu unserem Thema beitragen kann, kommen, wie wir im Folgenden sehen werden, in Einzelfällen noch hinzu.

Die vatikanischen Gärten

Beginnen wir unsere historische Umschau ganz oben, bei dem Garten der Päpste im Vatikan. Schon im Mittelalter gab es auf dem vatikanischen Hügel kleine Gärten, wobei besonderes Gewicht auf die Gewinnung von Heilkräutern gelegt wurde. Größere Bedeutung bekam dieses Gelände aber erst nach der endgültigen Rückkehr der Päpste aus dem avignonesischen Exil (1420), indem sie statt des Laterans nun den Vatikan als Residenz wählten und in der Folge mit prachtvollen Gebäuden ausstatteten. Dazu gehörte aber auch ein ummauerter Garten in den Formen der Renaissance, der Ursprung der heute noch bestehenden Vatikanischen Gärten, die mit gut 20 Hektaren fast die Hälfte des gesamten Vatikanstaates einnehmen. Paul IV. (reg. 1555–1559) gab Pirro Ligorio den Auftrag zu einem Landhaus darin, das sein Nachfolger Pius IV. (reg. 1559–1565) vollendete. Das «Casino Pio» ist das architektonische Schmuckstück des Gartens. Es diente den Päpsten als Rückzugsort, heute ist es Sitz der Päpstlichen Akademie. Gregor XIII. ließ 1579 im Garten einen Turm errichten, der eine Sternwarte enthielt, welche als Grundlage seiner Kalenderreform diente. Eine besondere Bedeutung bekamen die Vatikanischen Gärten aber seit 1870/71, nachdem Rom von den Piemontesen erobert worden war und der Kirchenstaat ein Ende gefunden hatte. Vorher hatte Pius IX. (reg. 1846–1878) noch gerne Reisen und Ausflüge außerhalb Roms gemacht. Nun waren er und seine Nachfolger «Gefangene im Vatikan». Die Vatikanischen Gärten waren infolgedessen für sie die einzige Möglichkeit, sich im Grünen zu bewegen, denn auch die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Albanerbergen war unter den herrschenden Umständen kaum benutzbar. Leo XIII. (reg. 1878–1903) und Pius X. (reg. 1903–1914) hielten sich daher im Sommer häufig in den Gärten bei St. Peter auf. Der erstere richtete eine weitere «Palazzina» ein und arbeitete nachmittags gerne dort. Pius X., der aus einfachen Verhältnissen in einem bäuerlichen kleinen Dorf stammte, vermisste schmerzlich die ihm gewohnte freie Umgebung und liebte daher «seinen» Garten sehr. Er ließ einen unterirdischen Gang bauen, um von seiner Wohnung ohne Hindernisse direkt dorthin zu gelangen.

Mit den Lateranverträgen (1929) fielen die den Päpsten aufgezwungenen Einschränkungen dahin, sie konnten sich nun wieder außerhalb des «Gefängnisses» wagen. Allerdings nahm die Reisetätigkeit erst mit Paul VI. (reg. 1963–1978), der zu diesem Zweck in einer Ecke des Gartens einen Heliport errichten ließ, merklich zu. Schon unter Pius XI. (reg. 1922– 1939) war das Gartenareal durch verschiedene Neubauten verkleinert worden. Neben den verschiedenen Typen von Schmuckgärten, Hunderten von botanisch seltenen Bäumen, einer Unmenge von bildhauerischen Denkmälern und insgesamt 99 Brunnen ist ein Teil des Geländes – was wenig bekannt ist – auch als Nutzgarten ausgesondert, um die päpstliche Tafel mit frischen Gemüsen, Salaten und Obst zu versorgen. Der Anbau wird von den den Schwestern des Klosters Mater Ecclesiae (wo jetzt Benedikt XVI. seinen Alterssitz aufgeschlagen hat) und einem Berufsgärtner nach biologischen Grundsätzen besorgt. Früher wurde zum Zwecke einer möglichst großen Autarkie zeitweise auch Wein produziert, Ackerbau betrieben und Vieh gehalten; unter Leo XIII. gab es sogar eine kleine Menagerie, die er als Geschenk erhalten hatte. Wie das gesamte Gelände des Vatikans sind auch die Vatikanischen Gärten nicht öffentlich. Unter gewissen Einschränkungen kann man sie allerdings nach Voranmeldung mit einer speziellen Führung besichtigen. [...]


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