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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Leseprobe 1
Knut Backhaus
Heimat im Heiligen
Jesus Christus und der Tempel
Visible and invisible, two worlds meet in Man;
Visible and invisible must meet in His temple;
You must not deny the body.
T.S. ELIOT

Was ist dem Menschen heilig? Diese Schlüsselfrage steht am Beginn des Christentums. «Geheiligt werde Dein Name!» lautet die erste Bitte, die Jesus seine Jünger lehrt. Ein archaischer Titel, der an seinem heilenden Handeln haftet, nennt ihn selbst den «Heiligen Gottes» (Mk 1,24). Die Urchristen sehen sich mit schlichter Selbstverständlichkeit als γιoι und verstehen darunter eine geschenkte Beziehung zum γιoc schlechthin: Sie verwandelt das Sein, wirkt gar physisch ansteckend (vgl. 1Kor 7,14), reicht tiefer als ein heroischer Tugendgrad. Bei einem Heiligungsritual beginnt Jesus am Jordan sein Wirken. Er beendet es am Kreuz, weil er mit seinem Eintreten für die Heiligkeit Gottes im Heiligtum Israels unheiligen Frieden aufgestört hat. Lukas lässt Jesu Kindheit erzählerisch breit im Tempel zu Jerusalem beginnen: dem Eigentum seines Vaters, in dem der junge Jesus – geheimnisvoll fraglos – sein muss (Lk 2,49). Und erst als die Pforten des Tempels hinter Paulus ins Schloss gefallen sind – ein sprechendes Detail (Apg 21,30) –, ist die Erstepoche des Christentums abgeschlossen. Der Vierte Evangelist schließlich erklärt Jesus selbst zum lebendigen Heiligtum.

Das Christentum sei von seinem Ursprung her und seinem Wesen nach eine entsakralisierende Bewegung. Es habe das Heilige auf Verkündigung, Moral und Innerlichkeit konzentriert. Kultisches Handeln widerspreche dem Geist des Neuen Testaments; in der Profanität der Welt, der secular city, diene der Glaubende Gott. Patin dieser seit den siebziger Jahren auch im katholischen Raum verbreiteten Annahme ist die Aufklärung. Sie stellte die Übung wahrer Tugend gegen Afterdienst, Pfaffentum und Fetischmachen und setzte – so Kant – das «alleinige Prinzip», «Gott entweder nur durch moralische Gesinnung, so fern sie sich in Handlungen, als ihrer Erscheinung, als lebendig darstellt, oder durch frommes Spielwerk und Nichtstuerei wohlgefällig zu werden»2. Über das späte 18. Jahrhundert verrät die Entsakralisierungsthese daher viel; über das urchristliche Glaubensleben verrät sie nichts. Der Weg des Urchristentums zum Heiligen ist dichter, dramatischer und farbiger, als solche spinnwebigen Moralisierungen und Spiritualisierungen vermeinen. Man kann diesen Weg durchaus, mit einer Emmanuel Lévinas verdankten Unterscheidung, den Weg vom Sakralen zum Heiligen nennen (de sacré au saint), sofern nicht übersehen wird, dass das Heilige sich zum Sakralen zurückwendet und es in sein Realsymbol verwandelt. Im Neuen Testament wird das Heilige, im dreifachen Hegelschen Sinn (negative, positive, supereminenter), zur Aufhebung des Sakralen.

Verfolgen wir diese Aufhebung, indem wir im Dreischritt die unerwartbare Beziehungsdynamik zwischen einem galiläischen Wanderprediger und dem Zentralheiligtum seines Volkes betrachten (I), die sich im Verstehen der Seinen – noch unerwartbarer – darin fortsetzt, dass dieser als Gekreuzigter jenen Tempel ersetzt (II) und die Hinrichtungsbalken schließlich ein für alle Mal die Qualität des saint wie des sacré bestimmen (III). [...]


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