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Leseprobe 2
Jochen Sautermeister
LEBENSKUNST IN DER POSTMODERNE
Impulse aus der zeitgenössischen Philosophie für ein christliches Ethos

I. ZUR RENAISSANCE DER LEBENSKUNST IN DER GEGENWART


Die zeitgenössische Philosophie der Lebenskunst wird gelegentlich als postmodernes Phänomen bezeichnet. Versteht man unter Postmoderne eine zeitdiagnostische Beschreibung unserer Kultur, die sich als nachmetaphysisch und fragmentarisch charakterisieren lässt, so kann man sie auch positiv als affirmierten Existenzraum ansehen, «in dem der Mensch, weder durch Sinnzentren noch durch Grenzen eingeengt, in einer Pluralität von Lebensweisen sich entwerfen und ausleben kann». Gleichwohl beanspruchen die verschiedenen Lebenskunstansätze, über die Postmoderne hinauszugehen, um in kritischer Distanz und mit aufklärerischem Impetus gegenüber aller Unübersichtlichkeit, Komplexität und Pluralität eine reflektierte Freiheitspraxis zu ermöglichen, die gegen verfestigte Herrschaftszustände und Fremdbestimmungen Widerstand zu leisten vermag. Nicht von ungefähr wird Michel Foucault, der sich in seiner Spätphase mit Fragen der Ästhetik der Existenz und der Sorge um sich beschäftigt hat und dabei dem Begriff «Lebenskunst» wieder systematisch-ethische Bedeutung hat zukommen lassen, als einer der Vertreter des Poststrukturalismus (neben Jacques Derrida und Jean-François Lyotard) genannt, der durch seine explizite Zuwendung zu ethischen Fragen über das poststrukturalistische Paradigma selbst hinausgegangen ist.

Philosophie der Lebenskunst ist auf dem Nährboden eines Lebensgefühls erwachsen, das in mehrfacher Hinsicht problematisch ist und sich soziologisch mit den Prozessen gesellschaftlicher Ausdifferenzierung und Individualisierung in Verbindung bringen lässt. Es zählt mittlerweile zu den soziologischen Gemeinplätzen, dass die gesellschaftlichen Prozesse von Pluralisierung und Individualisierung, der beschleunigte Fortschritt in Wissenschaft und Technik sowie weitverzweigte Globalisierungsprozesse den Einzelnen dazu nötigen, sein Leben eigenverantwortlich, bewusst und reflexiv zu führen. Denn tradierte Normkomplexe, Lebensmodelle und Identitätsschablonen können nicht mehr als hinreichende Orientierungsgrößen fungieren. Neben den verschiedensten populären Lebenshilfe-, Ratgeber- und Coaching-Angeboten, die darauf zielen, den Einzelnen in seiner Lebensführung zu stärken, wurden im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die Fragen nach dem guten Leben, nach dem Glück und nach einer reflektierten Lebenskunst auch als Themen der Philosophie wiederentdeckt, nachdem Immanuel Kant Glück als Prinzip von Moralität aus der praktischen Philosophie verbannen wollte. Ihre Aktualität und Resonanz ziehen die verschiedenen Lebenskunstkonzepte aus dem Bestreben, auf die verschiedenen Herausforderungen der Gegenwart, die zum Teil mit existenziellen, individuellen, sozialen und globalen Gefahren einher gehen, Antwort oder zumindest Hilfestellung für deren Bewältigung zu geben. Philosophie der Lebenskunst versteht sich also als reflexive Reaktion auf praktische Probleme, die offensichtlich mit den Mitteln normativer Ethik nicht effektiv zu lösen sind. Deren Regelorientierung einerseits und deren universalistische Geltungsansprüche andererseits werden als obsolet zurückgewiesen. Dem sich daraus ergebenden ethischen Vakuum möchte die Lebenskunst begegnen. Dies wird besonders in einem Interview aus dem Jahre 1984 deutlich, in dem Foucault seine Beschäftigung mit der antiken Philosophie entsprechend seiner genealogischen Methode aus einer zeitgenössischen Frage heraus begründet: «Von der Antike zum Christentum geht man von einer Moral, die im Wesentlichen Suche nach einer persönlichen Ethik war, zu einer Moral als Gehorsam gegenüber einem System von Regeln über. Und für die Antike interessiere ich mich, weil aus einer ganzen Reihe von Gründen die Idee einer Moral als Gehorsam gegenüber einem Kodex von Regeln jetzt dabei ist zu verschwinden, bereits verschwunden ist. Und diesem Fehlen einer Moral entspricht eine Suche, muss eine Suche entsprechen, nämlich die nach einer Ästhetik der Existenz.» [...]


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