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JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
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JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Leseprobe 3
Udo Di Fabio
RECHT AUF GLÜCK: CONTRADICTIO IN ADJECTO?

I.

Das Streben nach Glück – the pursuit of happiness – ist zentraler Bezugspunkt der Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4. Juli 1776. Dort heißt der zweite Satz: «We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.» Nicht Glück ist danach ein angeborenes Recht, wohl aber das Streben nach Glück ist ein Ausdruck des angeborenen Freiseins und des Selbstbestimmungsrechts eines jeden vernunftbestimmten Menschen. Jeffersons Formulierung geht im naturrechtlichen Ansatz auf John Locke zurück – der indes mehr an Eigentum als des Glückes Unterpfand gedacht hatte – und er steht damit unmittelbar in der Traditionslinie der Aufklärung und der Vernunftphilosophie. Der Spätaufklärer Immanuel Kant fand, dass Glückseligkeit erreicht habe, wer sich von niederen Instinkten befreit und sich durch seine Vernunft selbst bestimmt.

Aus Brasilien wird berichtet, man diskutiere darüber, es den USA gleichzutun und die Suche nach Glück als Grundrecht festzuschreiben. Ein Senator hat das offenbar vorgeschlagen und damit begründet, die Glückssuche komplettiere die bereits in der Verfassung verankerten sozialen Rechte wie Bildung, Gesundheit oder Sicherheit und gebe ihnen einen «finalen Sinn». Ein solcher Kontext allerdings würde wohl nicht dem Vorbild der USA folgen: Denn alle drei Rechte sind Leistungsansprüche gegen den Staat, die das amerikanische Verfassungsrecht als Grundrechte praktisch gar nicht kennt. Was dagegen die amerikanische Kultur heute – und in großer Kontinuität – über das Thema denkt, macht ein US-amerikanisches Filmdrama von Gabriele Muccino mit Will Smith in der Hauptrolle aus dem Jahr 2006 deutlich. The Pursuit of Happyness (sic) ist ein großer Titel für einen Film. Er zeigt den Weg eines Mannes, der sich nach dem Scheitern der Ehe allein mit seinem Sohn durchschlägt, ein Mann, der etwas wagt und verliert, der weitermacht und wieder verliert, der kämpft, dem nichts zu niedrig, nichts zu mühevoll ist, um seinen Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten. Die Botschaft ist die der Declaration of Independence. Etwas aus der Freiheit machen, seinem Leben ein Gesicht und einen Sinn geben, etwas gründen, grundlegen und schaffen – eine Familie, ein Unternehmen, eine Beziehung, ein Haus, ein Bild, ein Buch – also ein Leben im Tun und Gestalten, wobei der Erfolg als sichtbares Zeichen des Selbst gedeutet wird, als eigene biografische Spur. Glückseligkeit besteht somit nicht nur wie bei Kant in dem Wohlbefinden, das auf unserer eigenen Wahl beruht – das kann im Maß der körperlich erfahrbaren Freuden viel weniger sein, als ein geschenktes oder ein zufälliges Wohlbefinden: Die Qualität des Glücks liegt in der Lust des Bewusstseins der einsichtsfähigen Selbstmacht.

II. ABSAGE AN EINEN METHODISCHEN GLÜCKSKOLLEKTIVISMUS

Der Preuße Kant mit seiner pietistisch anmutenden Pflichtethik war dem Engländer John Locke und dem Amerikaner Thomas Jefferson näher, als Europa es den USA heute ist. Vieles ist gewiss konvergiert, aber die Alltagskultur folgt subkutan verschiedenen Bahnen, die vielleicht in dieselbe Richtung führen, vielleicht aber auch in verschiedene. Die USA streiten in der Diskussion über die Ausweitung der Krankenversicherung leidenschaftlich darüber, wie viel staatliche Glücksvermittlung erlaubt sei, ohne das Grundprinzip des Strebens nach Glück zu beschädigen, eines Prinzips, das aus der Idee personaler Freiheit stammt. In Europa dagegen ist die Diskussion beinah verdruckst, sie hat eine etatistische Schlagseite. Hier wird gerne an Ansprüche gedacht, die das Glück des Einzelnen zur Sorge der Vielen machen. [...]


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