zur StartseiteZugang für Abonnenten
Startseite » Archiv » Ausgabe 2/2011 » Leseprobe 3
Titelcover der archivierte Ausgabe 2/2011 - klicken Sie für eine größere Ansicht
Herausgeber und Redaktion
JOACHIM HAKEJoachim Hake
Direktor der Katholische Akademie in Berlin e.V.
URSULA SCHUMACHERUrsula Schumacher
Professorin für Katholische Theologie und Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
JAN-HEINER TÜCKJan Heiner Tück
Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

Lesen Sie hier
Ausgaben-Index 1972 bis heute
Chronologisch- thematische Liste aller Hefte von 1972-heute
Autoren-Index 1972 bis heute
Alphabetische Liste aller Autoren und Ihrer Artikel
Unsere Autoren
Hier erhalten Sie einen Überblick unserer Autoren.
Die internationalen Ausgaben von Communio
Internationale Ausgaben von Communio
Internationale Ausgaben von Communio finden Sie hier.
<<< zur vorherigen Ausgabe zur nächsten Ausgabe >>>
Leseprobe 3
Kurt Appel
Das Fest, der Sabbat und die Ankunft des Messias
unter Aufnahme einiger Gedanken Giorgio Agambens
1. Der Sabbat und die Ankunft des Messias
Wo theologische Pfade ausgetreten sind und nicht mehr die Fragen unserer Zeit treffen oder schlimmer noch Antworten auf Fragen geben, die niemand mehr stellt, springt manchmal die Philosophie ein. In letzter Zeit nicht unbedingt eine solche, die als «christlich» zu bezeichnen wäre, sondern vielfach eine, die sich klassischer Gegensätze wie derjenigen zwischen Theismus und Atheismus, Religiosität und Säkularität oder sogar Glaube und Vernunft entzieht. Ein wichtiges Beispiel dafür ist Giorgio Agamben, der, nicht aus theologischer Tradition herkünftig und für diese auch nicht vereinnahmbar, in seinen Schriften immer wieder den Punkt auf zentrale theologische Aussagen legt. In diesem Essay soll und kann keine Auseinandersetzung mit diesem Denker erfolgen, allerdings werden Beobachtungen, die in seinen Werken begegnen, mitgeführt. Für das hier vorliegende Thema sind dabei vor allem im Hintergrund Agambens Aufsatzsammlung «Nacktheiten », besonders der darin enthaltene Artikel «Ochsenhunger. Betrachtungen über den Sabbat, das Fest und die Untätigkeit»1, ferner sein Buch «Herrschaft und Herrlichkeit»2 und seine Auseinandersetzung mit Paulus unter dem Titel «Die Zeit, die bleibt»3.

Bevor aber für das hier angezeigte Thema des Festes4, des Sabbates und der Ankunft des Messias diese Schriften mit ins Gespräch gebracht werden, möchte ich die Bibel als Quelle heranziehen. Liest man das Markusevangelium, so wird sehr bald klar, dass eine zentrale Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen Gegnern um die Frage des Sabbat kreist. Schüler von Jesus reißen unter Billigung desselben am Sabbat Ähren ab (Mk 2,23-28), was massiven Protest jüdischer Gelehrter mit sich bringt, und schließlich spitzt sich die Lage so zu, dass Jesus, der am Sabbat heilt, sogar Todfeindschaft auf sich zieht. Schrecklich ist der Eingang des dritten Kapitels (Mk 3,1-6), wo Jesus am Anfang mit einem Menschen «ausgetrockneter Hand» konfrontiert ist, und wir schon wenige Zeilen später erfahren, dass er auf Grund der Heilung, die am Sabbat vollzogen wurde, in den Augen seiner Gegner dem Tod übergeben werden muss. Worum aber kreist der Konflikt? Dieser Frage ist nachzugehen, da die traditionelle Auflösung des Rätsels nicht nur die jüdisch-schriftgelehrte Argumentation zu wenig ernst nimmt, sondern v.a. viel zu sehr aus dem Blickwinkel heutigen liberalen Gedankenguts argumentiert. Es geht nämlich gerade nicht um Gesetzesindulgenz versus Gesetzesrigorismus, denn immerhin muss die Aussage Jesu mitgeführt werden, gemäß der auch das kleinste Jota der Tora nicht verändert werden darf (Mt 5,18). Vielmehr berührt die Frage des Sabbats essenziell die Frage nach dem Messias.

Bereits am Eingang der Bibel ist der siebente Tag jener, der die Zeitordnung und damit die Schöpfungsordnung transzendiert. Der erste Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,3), das sogenannte Siebentagewerk, hat eine kunstvolle Struktur und Rahmung5, wobei das wichtigste Gliederungselement die Zeit ist, die am «Ein-Tag»6, am vierten Tag und am siebenten Tag begegnet. Der a) «Ein-Tag» gibt den Rhythmus der Zeit als Grundelement des Seins an, wobei die in den Worten von Gen 1,8b «Abend ward und Morgen ward. Ein Tag» liegende Abfolge zu berücksichtigen ist: Sie besteht aus drei Zeiten, nämlich Zeit I als der «abendlichen» Zeit, d.h. jener Zeit unseres Lebens und unserer Geschichte, die auf die Nacht, d.h. auf den Tod zuläuft und diesem verfallen ist. Ferner Zeit II, die eigentlich die Un-Zeit bloßer Unterbrechung durch die Nacht bzw. den Tod darstellt. Und schließlich Zeit III, welche das Neuerwachen bzw. die Neuschöpfung durch die morgendliche Zeit zum Ausdruck bringt. Im Laufe der hier vorgebrachten Überlegungen wird noch anzudeuten sein, dass Zeit III nicht einfach eine Rückkehr in die Zeit I darstellt. Der b) «vierte Tag» eröffnet, nachdem die Erde im Tag Drei festlich geschmückt wurde, die Festzeit, auf die der Kalender und der Zeitrhythmus abgestimmt sind und der c) «siebente Tag» letztlich zielt auf die Transzendierung der Zeit in der Gottesbegegnung. Er ist also der eschatologische Tag, der nicht einfach hinzukommt, sondern die anderen Tage gleichsam quert, was im Übrigen vor der letzten Liturgiereform insofern zum Ausdruck gebracht wurde, als in ihr jeder Tag gewissermaßen die Möglichkeit des Sonntagsgottesdienstes in sich barg. Der Sabbat des siebenten Tages tritt als Tag Gottes folglich in das Zentrum Israels und wird Ursakrament, in dem sich die Tora selber zusammenfasst. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

Zurück zur Startseite

Komfortabler Online-Bereich mit Archiv-, Download- und Suchfunktion sowie komplettem Autorenregister.

Online-Ausgabe einsehen

Online-Ausgabe bestellen
Jahresverzeichnis 2021

Hier erhalten Sie das Jahresverzeichnis 2021
Verein der Freunde und Förderer Communio e.V.
Allgemeines zu unserem Verein
Sie wollen unserem Verein beitreten?
Vereinssatzung

Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Communio
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | AGB | Datenschutz | Impressum