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Leseprobe 3
Janine Ziegler
Am Küchentisch und an der «Table de la République»
Ein Blick auf Deutschland, Frankreich und «den» Islam

Einleitung


In den vergangenen 10 Jahren hat sich in puncto Islam in Deutschland und Frankreich einiges getan, so dass man aus heutiger Sicht die Absicht der beiden Innenminister a.D. Thomas de Maizière und Jean-Pierre Chèvennement, den Islam an die deutschen Küchentische respektive an die französische table de la République zu holen, durchaus als gelungen bewerten kann. Denn nicht ohne Stolz können beide Länder auf ihre Leistung in Sachen Institutionalisierung des Islams zurückblicken: So wurde in Frankreich beispielsweise 2003 der französische Muslimrat – der Conseil français du culte musulman (CFCM)1 – ins Leben gerufen und 2007 eine Stiftung – die Fondation pour les oeuvres de l’Islam – gegründet; gleiches gilt für Deutschland wo seit 2005 die Deutsche Islam Konferenz (DIK)2 in regelmäßigen Abständen tagt und sich aus ihr heraus im Jahr 2007 der Koordinationsrat der Muslime (KRM) gebildet hat. Hinzu kommen vielfältige Initiativen wie die Errichtung muslimischer Grabfelder, der Bau von Moscheen und islamischen Kulturzentren oder die Etablierung von Modellprojekten zur Ausund Weiterbildung von Imamen oder wissenschaftlichem Lehrpersonal, die dafür sprechen, dass der Islam langsam aber stetig zu einem religionspolitischen Partner der jeweiligen Regierungen avanciert. Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt, denn nach wie vor gibt es im Hinblick auf die dauerhafte Integration des Islam sowohl in Frankreich wie in Deutschland zum Teil massive Probleme. Probleme, die nicht ohne Grund oftmals hitzige gesellschaftspolitische Debatten auslösen, denn sie betreffen – wenn auch vielfach unbewusst – nichts Geringeres als einen Wesenskern der französischen und deutschen Staatsauffassung: Das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat.

Staat und Islam als Dialogpartner

Betrachtet man zunächst die beiden Partner des derzeitigen religionspolitischen Dialogs – also den Staat und «die» Muslime – so wird die erste Schwierigkeit sofort augenscheinlich: Die simple Erfassung des staatlichen Gegenübers. Es ist nämlich weder in Deutschland noch in Frankreich exakt zu bestimmen, wie viele Muslime im jeweiligen Land leben, welcher innerislamischen Strömung sie angehören, ob und wenn ja wie sie ihre Religion leben möchten oder inwiefern sie sich zum Beispiel von den im CFCM oder in der DIK engagierten Personen überhaupt vertreten fühlen. Mit anderen Worten, bislang werden Muslime als gesellschaftliche Größe in Frankreich und Deutschland lediglich auf der Grundlage von Statistiken und Hochrechnungen erfasst. Das bedeutet zum Beispiel, dass als «islamisch» qualifizierte Forderungen von Seiten des Staates nicht selten nach außen verkauft werden, als handle es sich um «die» Forderungen «der» Muslime, ohne dass jedoch ein quantitativer Nachweis über die Richtigkeit dieser Behauptung vorliegt respektive vorgelegt werden könnte. In der Regel wird in der Debatte also nicht kommuniziert, dass es sich bei bestimmten Forderungen – man denke nur an das Kopftuch – um individuelle, religiös begründete, Entscheidungen handelt und eben nicht um «die» Forderungen «der» muslimischen Verbände. Interessanterweise sind derartige verbale Verallgemeinerungen aber nicht nur dem Staat anzulasten; zum Zweck der Rechtfertigung eines (Allein)Vertretungsanspruchs gegenüber dem Großteil der in Deutschland und Frankreich lebenden Muslime, werden manche Forderungen gerne auch von den diversen Mitgliedern des CFCM oder der DIK als muslimische Mehrheitsmeinung propagiert.

An dieser Stelle ist ein weiteres Manko festzuhalten: Die Nichtrepräsentativität der verschiedenen, will heißen der innerhalb und außerhalb der bestehenden Dialogstruktur engagierten muslimischen Vereine, Verbände und Einzelpersonen sowie, folglich, ihrer religionspolitischen Forderungen. Inhaltlich hat diese Nichtrepräsentativität zwei entscheidende Konsequenzen: Denn sie relativiert nicht nur die Bedeutung von religionsimmanenten Forderungen, die gesellschaftlich als problematisch wahrgenommen werden können, sondern auch Forderungen, die gesellschaftspolitischen Charakters sind und von den Muslimen erwartet werden – so zum Beispiel das explizite Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die alle im CFCM oder in der DIK vertretenen Vereine in ihren Satzungen bejahen, allerdings ohne dass ihnen dafür von staatlicher Seite ausreichend Glauben geschenkt wird. [...]


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