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Editorial
Peter Henrici
DIE WIEDERKUNFT CHRISTI – EIN MYSTERIUM DER HOFFNUNG
Die Reihe der Mysterien des Lebens Jesu schließen wir mit einer Betrachtung über die Parusie, die Wiederkunft Christi ab. Dass Jesus am Ende der Zeit wiederkommen wird, ist im Neuen Testament bestens bezeugt. Im Glaubensbekenntnis beten wir deshalb: «Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.» Dennoch bleibt diese Wiederkunft weitgehend unfassbar. Sie ist kein vergangenes Geschehen, wie die andern Mysterien, das sich erzählen und auf seine göttliche Tiefe ausloten ließe. Sie ist ein Ereignis, das erst in der Zukunft geschehen soll, und das sich deshalb so wenig wie unsere eigene Zukunft jetzt schon erkennen und denkerisch verarbeiten lässt. Ihr Dass ist uns verheißen, über das Wie und Wann bleiben wir im Ungewissen. Dass Er am Ende der Zeiten wiederkommen wird, ist für uns das geheimnisvollste aller Geheimnisse des Lebens Jesu. Wenn es mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Gläubigen verschwindet, braucht das nicht zu erstaunen.

Gehört die Parusie wirklich zu den Mysterien des Lebens Jesu? Sein Leben endet doch mit der Kreuzigung oder, wenn man will, mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Die Hinweise auf ein Wiederkommen, die Jesus in den Abschiedsreden bei Johannes gibt ( Joh 14,3.18-20.28; 16,16.22), könnten wohl auch von seiner Auferstehung und von der Sendung des Heiligen Geistes verstanden werden. Von einem Ende der Zeiten scheint da keine Rede zu sein. Auch das weltgeschichtliche Zukunftsbuch, die Offenbarung des Johannes, die einzige prophetische Schrift im Neuen Testament, scheint kein eigentliches Wiederkommen Jesu zu kennen. Sie soll vor allem den Christen in bedrängter Zeit Hoffnung und Mut geben. Jesus erscheint da vor Gott als geopfertes Lamm, das die Geheimnisse der Geschichte offenlegt (Offb 5,6-14), und in der Geschichte selbst erscheint er als blutbefleckter Sieger (Offb 19,11-16). Am Ende der Geschichte steigt jedoch nicht Jesus in Herrlichkeit vom Himmel herab, sondern seine Braut, das himmlische Jerusalem, die verklärte Kirche, in deren Mitte das Lamm thront (Offb 21,2-3.9-23). Verheißen wird nicht eine Wiederkunft, sondern ein neuer Himmel und eine neue Erde (Offb 21,1). Am Ende scheint nicht das Gericht zu stehen, sondern der Vollzug des bereits ergangenen Richtspruchs, die endgültige Scheidung. Das Gericht selbst hat schon in der Geschichte stattgefunden, so wie es offenbar auch das Johannesevangelium sieht (Joh 3,18-19; 5,22-30; 8,16; 12,21).

Anders sehen es dagegen die paulinischen Gemeinden und die synoptischen Evangelien. Sie leben in der Erwartung eines baldigen Wiederkommens Jesu (1 Thess 1,10; 4,13-5,10; 2 Thess 2,1-10; 1 Kor 7,29-31; vgl. auch 2 Petr 3,8-12) und sie lassen Jesus selbst in farbenreicher Rede, die teilweise der jüdischen Apokalyptik entlehnt ist, am Ende der Welt sein Wiederkommen verheißen (Mk 13,24-27 parr.; vgl. 2 Petr 3,10-12). Was wir aus diesen Darstellungen, aber auch aus der Johannesapokalypse zu lernen haben, ist dies: Die Erwartung der Wiederkunft Christi am Ende der Menschheitsgeschichte muss prägend sein für jede christliche Existenz in dieser Welt. Für Paulus sind die Christen jene, die das Wiederkommen des erhöhten, auferstandenen Herrn, des «Kyrios», erwarten und die sich durch diese Erwartung von allen andern Menschen unterscheiden (1 Thess 4,13; 5,4-10). Mit dieser Erwartung ist das Leben des neuen Gottesvolkes die geradlinige Fortführung der Existenz des ersterwählten Volkes. Wie die Juden seit der Zeit der Propheten in der Erwartung des verheißenen Messias lebten, so leben die Christen in der Erwartung der verheißenen Wiederkunft dieses gleichen Messias. Im Unterschied zum Volk Israel haben sie diesen Messias jedoch bereits gesehen und kennen ihn, ihren verklärten Herrn Jesus Christus.

Von dieser christlichen Erwartung aus lässt sich auch einiges sagen über die Wiederkunft Jesu Christi am Ende der Zeiten. Erst damit ist die Sendung Jesu vollendet; erst dann ist die Gottesherrschaft, die Jesus mit seiner Botschaft angekündigt hat, wirklich gekommen (1 Kor 15,24-28). Deshalb gehört die Parusie als Abschluss und Vollendung notwendig mit zu den Mysterien des Lebens Jesu; doch nicht primär zu seinem menschlichen Leben, sondern zu seinem Leben als präexistenter Gottessohn. Als solcher ist er der absolute Anfang, weil die Welt in ihm geschaffen wurde; er ist als der dereinst Wiederkehrende aber auch das absolute Ende der Welt. Sein immer neues Kommen im Mysterium der Eucharistie ist Vorwegnahme und Ankündigung seines endgültigen Kommens ( Jean-Robert Armogathe). Seine Wiederkunft, zusammen mit der Auferstehung des «Fleisches», der sterblichen menschlichen Natur, wird sich als ein Gericht über gut und böse erweisen, nicht nur im Leben jedes einzelnen Menschen, sondern auch in der ganzen Menschheitsgeschichte. Es wird ein Erweis des Zornes, aber auch der Barmherzigkeit Gottes sein. Deshalb wird die Hoffnung auf die Rettung aller Menschen geradezu zur Pflicht (Helmut Hoping). [...]


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