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Leseprobe 1
Meik P. Schirpenbach
DIE SPANNUNG AUSHALTEN
Die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi im Spiegel des Kirchenbaus
1. Ausgriff und Annäherung

Der Gedanke an die Wiederkunft Christi scheint nach langem Warten ein wenig aus unseren Köpfen und Herzen abhanden gekommen zu sein. Vielleicht hat er sich auch nur in die hinteren Räume verzogen. Dass christlicher Glaube durch die Jahrhunderte nicht einfach nur als christlicher Glaube weitergegeben wurde, sondern unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und Glaubenserfahrungen kannte, lässt sich anschaulich an den überlieferten Kirchenbauten und ihrer Ausstattung ablesen. Diese Tatsache soll nicht verunsichern, sondern ermutigen, auf der Suche zu bleiben und sich der Herausforderung zu stellen, die gerade von manchem unverständlich Gewordenen ausgeht. So erstaunt die Selbstverständlichkeit, mit der in der Kunst des Mittelalters die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi zum Ausdruck kam. Im Folgenden geht es nicht primär um eine Kontrastierung unserer Zeit mit dem Mittelalter und erst recht nicht um eine wie auch immer geartete wertende Gegenüberstellung, sondern um ein Gespräch mit dem Fremden im Eigenen, das für die eigene geistliche Auseinandersetzung nur fruchtbar sein kann.

Das am deutlichsten herausstechende Merkmal mittelalterlicher Kirchenbauten ist, dass sie Einfallstore der Wiederkunft Christi sind. In diesem Hauptakzent lassen sie sich nicht erst von vielen zeitgenössischen, insbesondere nachkonziliaren Gottesdiensträumen unterscheiden, sondern bereits von denen der nachtridentinischen Zeit. Die liturgische Zäsur, die Trient setzt, ist im Hinblick auf die Raumgestaltung mindestens ebenso gewichtig wie die des Zweiten Vatikanum – sie ist für das liturgische Raumgefühl als solches sogar weitaus gravierender. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass uns Kirchenräume mit nahezu kompletter mittelalterlicher Einrichtung vornehmlich im mitteldeutschen lutherischen Raum erhalten sind – und das insbesondere in Domkirchen, die mit der Reformation in ihrer liturgischen Nutzung in den Hintergrund traten. Besonders anschauliche Beispiele dafür sind die Dome in Naumburg/Saale, Meißen, Halberstadt und Brandenburg. Im katholischen Raum stehen u.a. die Pfarrkirche von Oberwesel am Rhein und der Xantener Dom für die wenigen Ausnahmen, die nach Trient nicht umgestaltet wurden.

Das Proprium des mittelalterlichen Kirchenbaus können wir mit seiner Verortung erfassen: Keiner dieser Bauten ruht in sich selbst. Sie verweisen immer über sich hinaus. Die immer wieder und teils mit großer Akribie versuchte Ostung macht deutlich, dass der Bau in ein größeres Ganzes eingefügt ist: Den kosmischen Lauf der Sonne, die als das große Christussymbol angenommen wird. Als das Bonner Münster im 11. Jahrhundert von Grund auf neu gebaut wurde, drehte man den Gesamtkomplex um etwa 45 Grad, so dass keines der vorhandenen Fundamente beim Neubau mehr verwendet werden konnte – für ein Bauunternehmen damals ein gewaltiger Mehraufwand. Der allmorgendliche Sonnenaufgang symbolisiert den ersehnten Zeitpunkt der Wiederkunft. Das in jedem Kirchenbau vorhandene Fenster der Ostwand – und sei es noch so klein – ist Durchlass für dieses Licht in den Innenraum. Die unmittelbar erfahrbare und existenziell eingängige kosmische Grundstruktur wird zu einem Symbol der eschatologischen Dimension, die sich jedoch nicht bloß an einem Ende der Zeiten verorten lässt, sondern sich in einem fortwährenden Vollzug befindet. Die Erfahrung des Kontrastes von Finsternis und Licht war dem mittelalterlichen Menschen unmittelbarer als uns. Nacht bedeutete wirklich Finsternis und Gefahr. Sie war mit gefühlter Angst verbunden. Beleuchtung war ein Luxus und die Sehnsucht nach dem neuen Morgen umso heftiger. Bei dieser Erfahrung konnte die Glaubensvermittlung existenziell ansetzen. Das in vielen Chorräumen über dem Fenster in der Apsiskalotte angebrachte Fresko des Christus in der Mandorla ergänzt als bildliche Darstellung das, was die Architektur in ihrem Grundgehalt aussagen möchte.

Schauen wir genauer auf den Neubau des Bonner Münsters ab dem 11. Jahrhundert. Bislang schlossen die Apsiden mit einem einfachen Chorjoch unmittelbar an den Körper des Haupt- oder Querschiffs an. In Bonn finden wir eines der ersten Beispiele dafür, dass dieses aus der antiken Basilika übernommene Element eine stärkere Eigenakzentuierung erfährt, indem es zu einem sogenannten Langchor ausgedehnt wird. Der Richtungsbau erfährt damit eine Dynamisierung, wie sie dann für viele Bauten des Rhein- Maas-Gebietes kennzeichnend wird. Der Chorraum mit seiner Apsis ist nun nicht mehr ein architektonisches Anhängsel an Schiff und Querhaus, sondern eine Eigenständige Dominante des Gesamtbaus. [...]


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