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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
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JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
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Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Leseprobe 3
Guido Bausenhart
FREIHEIT – DAS GEHEIME MOTIV ALTKIRCHLICHER CHRISTOLOGIE
Alois Grillmeier hat in seinem mehrbändigen, schließlich unvollendet gebliebenen monumentalen Werk ‹Jesus der Christus im Glauben der Kirche› den überwältigenden Reichtum und zugleich die verwirrende Vielfalt des theologischen Denkens über Jesus von Nazareth, den Christus, in den ersten Jahrhunderten ausgebreitet, – ‹präsentiert› in doppeltem Sinn: vorgestellt wie vergegenwärtigt. Höchst bemerkenswert ist, dass diese verwirrende Vielfalt der Christologie – aus der geschichtlichen Distanz betrachtet und rekonstruiert, den zeitgenössischen theologischen Protagonisten kaum durchschaubar und bewusst – einer einheitlichen Logik folgt, der ‹Logik der Sache› – Zeichen dafür, dass die Theologen bei aller Leidenschaft ihrer Frömmigkeit erfolgreich versucht haben, ‹bei der Sache zu bleiben›, ihr Denken ‹gefangen nehmen zu lassen›, «so dass es Christus gehorcht» (2 Kor 10,5). Hier soll folgende These in drei Schritten begründet werden: Der geheime Motor der Weichen stellenden theologischen Auseinandersetzungen um die Christologie in der Alten Kirche war die Frage der Freiheit des Menschen Jesus von Nazareth. Ausdrücklich kommt diese Frage erst im 7. Jahrhundert auf die theologische Tagesordnung der Kirchenväter. Maximos führt sie unter dramatischen Umständen einer Lösung zu.

1. Die soteriologisch motivierte Bestreitung der Freiheit


Von Anastasios Sinaites ist ein Fragment des Apollinaris (315-390) überliefert, in dem er seine Ablehnung einer menschlichen Freiheit in Jesus von Nazareth, dem Christus, begründet: «Zwei vernunft- und willensbegabte Wesen können nicht zusammen wohnen, damit nicht das eine mit dem anderen in Konflikt gerät aufgrund des eigenen Willens und der eigenen Wirkkraft. Darum nahm der Logos keine menschliche Seele an, sondern nur den Samen Abrahams». (Fr. 2) Die Einheit Christi duldet kein Nebeneinander zweier geistiger Prinzipien: «Denn wenn jeder nus seiner selbst mächtig ist, weil er von einem eigenen Willen entsprechend seiner Natur bewegt wird, können in ein und demselben Subjekt nicht zwei einander entgegengesetzte Wollende miteinander existieren, da jeder (nus) das von ihm selbst Gewollte ausführt – er bewegt sich ja selbst.» (Fr. 150)

Dass göttlicher und menschlicher Wille für Apollinaris zu keiner Harmonie finden (können), ergibt sich aus der Eigenart des menschlichen nus gegenüber dem göttlichen: «Der göttliche bewegt sich selbst, und zwar in Übereinstimmung mit sich selbst, denn er ist unwandelbar; der menschliche aber bewegt sich zwar auch selbst, jedoch unbeständig, denn er ist wandelbar» (Fr. 151), gemeint: wankelmütig.

Die Wahlfreiheit allein als ‹Möglichkeit zur Sünde› genügt Apollinaris, sie für mit Christus unvereinbar zu halten. Sie gefährdete die Erlösung. Dem Erlöser genügt keine auf einer menschlichen Freiheit beruhende und von göttlicher Gnade getragene faktische Sündenlosigkeit; diese muss vielmehr prinzipiell und absolut sein. Apollinaris steht fest auf dem theologischen Boden Nikaias und fühlt sich als Erbe des Athanasius, beansprucht nach dessen Tod sogar seinen Nachlass. Erlösen kann allein Gott. Dies halten die Väter von Nikaia gegenüber Arius fest. Göttlichkeit auf der Basis von Erwählung aufgrund sittlicher Bewährung, wie sie Arius denkt, erfüllt diese Bedingung nicht. Darum betont Athanasius mit Verve, dass die göttlichen Prädikate dem Logos als der zweiten göttlichen Person «physei kat’ usian» – mehr geht nicht: ‹der Natur und dem Wesen nach› – zugeschrieben werden müssten. Hinge das Heil von einem (arianischen) Logos treptos ab, bliebe es bedroht. Um die Erlösung nicht zu gefährden, stellt Athanasius generell die naturhaften (notwendigen) Wirkungen über das Wirken des freien Willen: «So hoch der Sohn über dem Geschöpf steht, so auch das Naturhafte über dem Willen». Die Soteriologie des Athanasius – ohnehin der Schlüssel zu seiner Theologie – kennzeichnet darum ein Misstrauen gegenüber der (geschaffenen) Freiheit und ihrer möglichen Unentschiedenheit (rope eis hekatera) und Fehlgriffe: Freies Handeln ist Sache einer wandelbaren Natur. Allein ein Logos atreptos: ein unwandelbarer, absolut verlässlicher Logos kann die Erlösung gewährleisten, ein «Kyrios ho aei kai physei atreptos».

Dieser Logos ist für Athanasius konsequent das einzige Subjekt der Erlösung, die alles bestimmende Wirklichkeit in Christos, das alleinige Lebensprinzip. Damit ist aber – im Interesse der Erlösung – kein Bedarf für eine menschliche (Geist-)Seele und ihre Freiheit. Für die Sarx Christi bleibt nach ihrer völligen Durchdringung mit dem göttlichen Logos nur noch die Rolle eines passiven, ‹logoshaft gemachten› Werkzeugs. Sie ist Instrument des offenbarenden und Wunder wirkenden Logos. Ein Sprung ins 7. Jahrhundert: Auch die Monotheleten bekennen sich zum Konzil von Chalkedon – alles andere wäre theologischer Anachronismus. Aber das soteriologisch motivierte – und vielleicht von kritischer Selbsterfahrung bestärkte – Misstrauen gegenüber menschlicher Freiheit ist geblieben. [...]


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