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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Leseprobe 1
Robert Vorholt
ZEUGNIS UND MARTYRIUM
Neutestamentliche Perspektiven
Durch die Ereignisse des 11. September 2001 und deren Nachwirkungen ist das Thema Religion und Gewalt, das bis dato gemeinhin eher als ein Relikt der Geschichte verstanden wurde, zu neuer trauriger Aktualität gelangt. Für den Oxforder Gelehrten Richard Dawkins ist das eigentliche Problem, das er wirkursächlich betrachtet, schnell benannt: Die Religionen lehrten die Menschen, das eigene Leben zu verachten, und könnten sie auf diese Weise dazu bringen, sich selbst zu opfern. Hat er Recht? Trifft er ins Schwarze? Der neutestamentlich reflektierte Glaube verachtet das irdische Leben nicht. Aber er verklärt es auch nicht. Er weiß um alle Widrigkeiten, die sich demjenigen in den Weg stellen können, der glaubt. Wer ihnen standhält, sie annimmt und im Glauben bewältigt, zeugt im Licht der Heiligen Schrift von einer Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt (Röm 5,5). Die Christen des Anfangs agieren nicht aus einer Position der Stärke heraus. Umgekehrt lässt sie das Wissen darum nicht der Versuchung erlegen, ihrer Überzeugung in gewaltbereiter Partisanen-Manier Ausdruck zu verleihen. Sie werden marginalisiert. Aber ihnen liegt daran, ihre christliche Berufung unter den Bedingungen zu leben, in die hinein sie sich von Gott gestellt wissen. Bewährung begreifen sie als Form der Nachfolge; Standfestigkeit und Überzeugung sind ihr Zeugnis.

1. Christliches Lebenszeugnis im Neuen Testament

Für das frühe Christentum in neutestamentlicher Zeit ist die Minderheitensituation nicht untypisch. Der Erste Petrusbrief und die Johannesoffenbarung beschreiben Probleme, denen viele christliche Gemeinden des Anfangs ausgesetzt waren: dass sie von ihrer Umgebung, den Nachbarn, den Kollegen, den Familienmitgliedern, sogar von Staat und Kaiser angefeindet, verdächtigt, benachteiligt, ausgegrenzt, schließlich sogar verfolgt werden (vgl. 1 Petr 3,9.16; 4,14; Offb 12-13). Sich zu Christus zu bekennen, bedeutete auch, aus dem Lebensgefüge von Familie, Gesellschaft und Staat auszubrechen und eine Alternative zu wagen, die vielen anderen als illegitime Neuerung erschien. Durch ihren Lebensstil erregten die Christen bei ihren jüdischen und heidnischen Mitbürgern Anstoß. 1 Petr 4,4 bringt das Dilemma – sicher nicht ohne Polemik, aber doch psychologisch plausibel – auf den Punkt: «Das befremdet sie: dass ihr nicht mehr mit ihnen mitschwimmt im Strom ihrer Heillosigkeit; deshalb verlästern sie euch.»

Der Erste Petrusbrief gehört zu den theologischen Schwergewichten des Neuen Testaments. Er redet die Christen als eine gesellschaftlich angefochtene Minderheit an, die unter starker Ausgrenzung und anfänglicher Verfolgung durch ihre heidnische Umgebung leiden. Die Benachteiligung können sie offenbar nur als Ungerechtigkeit wahrnehmen, nicht aber auch als Chance für eine erneuerte Gestaltung des Christseins. Der Brief ist geschrieben, um diesen Christen die Größe der ihnen geschenkten Gnade wieder neu vor Augen zu stellen und sie so zu motivieren (1 Petr 5,12). Die Situation der Diaspora ist Schicksal und Sendung zugleich (1 Petr 2,1-10; vgl. Ex 19.6)2. 1 Petr ruft weder zur Revolution noch zum Opportunismus, aber zu einer humanen Gestaltung der vorgegebenen Lebensverhältnisse, zur selbstkritischen Prüfung der eigenen Lebenslage, zur Leidensfähigkeit und zur nachhaltigen Verwandlung der Welt. Das alles ist für ihn christliches Zeugnis.

Die Johannes-Apokalypse nimmt die Probleme wieder auf, die schon der Erste Petrusbrief angesprochen hatte. Es wird deutlich, dass sich die Situation der Christen weiter zugespitzt hat. Darauf antwortend zeichnet sie mit großer theologischer Ziel- und Passgenauigkeit den (heils-)dramatischen Prozess nach, dass die eschatologische Offenbarung der Herrschaft Gottes zunächst den härtesten Widerstand des Bösen stimuliert, der sich in massivster Form durch den politische und wirtschaftliche Macht beanspruchenden Synkretismus artikuliert. Die Gerechten werden nicht grundlos ins Leiden gestürzt. Doch zugleich unternimmt die Johannesoffenbarung den Aufweis, dass die nur scheinbare Übermacht des Todes nichts Anderes als letzte Zuckungen des im Heilsereignis tödlich verwundeten Widersachers Gottes und der Menschen sind, weshalb am Ende, alles beherrschend, die Stadt Gottes vom Himmel her als Ort des Lebens in Fülle auf die Erde herniederkommt. Christliches Zeugnis harrt der Vollendung. Die Konsequenzen sind aber weder Rigorismus noch Sektierertum, sondern Heiligkeit im Sinne eines vitalen Wissens um das Gottsein Gottes und die Hybris menschlicher «Götter», also einer kompromisslosen Bejahung des Hauptgebotes Dtn 6,4f und des Bekenntnisses zum Kyrios Jesus Christus. [...]


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