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Editorial
Peter Henrici
SIND WIR KATHOLISCH GENUG?
Das dritte Kirchenattribut – «katholisch» – ist wohl das am schwersten verständliche. Wer sich als Katholik zur «heiligen, katholischen Kirche» bekennt, legt in dieses Bekenntnis zumeist zu viel und zugleich zu wenig hinein. Zu viel, wer sich damit zu seiner eigenen konfessionellen Identität zu bekennen meint, in Abgrenzung von anderen christlichen Kirchen; zu wenig, wer nicht bedenkt, dass alle Christen jedweder Konfession sich im Credo zur Katholizität der (ihrer) Kirche bekennen. Dass eine Konfession zu ihrer Kennzeichnung ein Kirchenattribut in Anspruch nimmt, zu dem sich alle christlichen Kirchen bekennen müssen: das stellt das vielleicht schwierigste ekklesiologische Problem dar.

Zwar grenzen sich auch zwei andere Kirchengemeinschaften mit einem Attribut ab, zu dem sich alle christlichen Kirchen bekennen. Jede christliche Kirche oder kirchliche Gemeinschaft wird sich als «orthodox», rechtgläubig, bezeichnen und ebenso sehr als «evangelisch», am Evangelium ausgerichtet und ihm verpflichtet. Doch diese beiden Attribute sind im Gegensatz zum «katholisch» nicht in das allgemeine Glaubensbekenntnis eingegangen.

Dazu kommt ein weiterer Stein des Anstoßes. Von den vier im Credo aufgezählten Kennzeichen der Kirche – «die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche» – ist «katholisch» das einzige, das keine biblische Grundlage hat. Es ist zwar sehr alt und findet sich schon in den ersten nachapostolischen Schriften, wie mehrere der nun folgenden Beiträge erwähnen. Und doch stellt sich die Frage, was diese Schriftsteller dazu geführt haben kann, dieses unbiblische Wort zu gebrauchen. Denn als «katholisch», das heißt «allumfassend», kennzeichnen sie ausgerechnet die damals noch sehr kleinen Einzelgemeinden. Diese Beobachtung führt in das Herzstück der Ekklesiologie: Das Allumfassende findet sich im Vereinzelten, «das Ganze im Fragment» (Werner Löser), «universale Einheit in ortsgebundener Vielfalt » (Walter Kardinal Kasper).

Das Paradox lässt sich, wie die folgenden Beiträge betonen, nur christologisch erklären und lösen. Wie Gott in einem geschichtlich und geographisch bestimmten Einzelmenschen Mensch wurde, so verwirklicht sich die eine allumfassende «katholische» Kirche, als Frucht und Weiterführung der Menschwerdung Gottes, nur in einer Vielzahl von geschichtlich und geographisch begrenzten Ortskirchen. Dass diese Vielzahl in der Geschichte zu Trennungen und Spaltungen geführt hat, ist die ekklesiologische Tragik; dass in der Vielgestalt der einen «katholischen» Kirche die Einheit dennoch fortdauert, ist das große Hoffnungszeichen. Dieses Fortdauern meint das vieldiskutierte «subsistit»; denn in gutem Latein und in den neulateinischen Sprachen heißt «subsistere» ganz schlicht «fortdauern». Dass sich die wahre Katholizität im Sinne des Fortdauerns nur in der römisch-katholischen Kirche verwirklicht findet, ist die Einsicht, die John Henry Newman (im Gegensatz zu Oscar Wilde) zur Konversion bewogen hat (Thomas Möllenbeck).

Von der so verstandenen Katholizität werden jedoch nicht nur die einzelnen Gläubigen in Pflicht genommen. Grundlegender noch steht die Kirche selbst unter einer vierfachen, unaufgebbaren Verpflichtung. In erster Linie muss sie zu dem Sorge tragen, was ihre Einheit in der Vielfalt und ihre Vielfalt in der Einheit garantiert. Das ist das Bischofsamt, das die Eigenständigkeit der Ortskirchen garantiert und zugleich auch die Einheit der Gesamtkirche durch die kollegiale Gemeinschaft der Bischöfe untereinander und mit dem Bischof von Rom. Das Petrusamt ist der eigentliche Garant der Katholizität der Kirche, indem es zugleich die Garantie für ihre Apostolizität ist. Noch grundlegender wird die Einheit der Kirche in der Vielfalt ihrer Riten und Charismen durch die Sakramente garantiert, namentlich durch die Taufe und die Eucharistie und, als deren Ermöglichungsgrund, durch das Weiheamt. Die Sakramente verbinden die Kirche als «Leib Christi» je und je unmittelbar mit Christus – eine Perspektive, die nicht zuletzt durch Henri de Lubac wieder in die theologische Diskussion eingebracht wurde (Michael Figura).

Dabei ist die Kirche «alles andere als eine geschlossene Gesellschaft». Einerseits – und das ist die zweite Aufgabe, die die Katholizität der Kirche stellt – ist innerhalb ihrer kollegial-sakramentalen Einheit Vielfalt nicht nur möglich, sondern gefordert. Keine einzige geschichtlich-kulturelle Ausprägung kann die ganze Fülle, das «pleroma» Christi adäquat zum Ausdruck bringen. Deshalb ist die Vielfalt der Riten und der Charismen innerhalb der einen Kirche nicht nur zu dulden, sondern zu pflegen und zu fördern (1 Kor 12, 4-31). Das geschieht in der Vielfalt der Ordensgemeinschaften und kirchlichen Bewegungen neben und unter dem um die Einheit besorgten Amt, und nicht zuletzt in der Vielfalt der Riten innerhalb der einen Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil versuchte, diese Vielfalt den Bischöfen dadurch bewusst zu machen, dass die Eucharistie in der Konzilsaula jeden Tag in einem andern Ritus gefeiert wurde. In die gleiche Richtung gehen auch die Einheitsbemühungen Papst Benedikts XVI. [...]


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