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JOACHIM HAKEJoachim Hake
Direktor der Katholische Akademie in Berlin e.V.
URSULA SCHUMACHERUrsula Schumacher
Professorin für Katholische Theologie und Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
JAN-HEINER TÜCKJan Heiner Tück
Professor für dog-
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
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Leseprobe 2
Jan-Heiner Tück
EIN «REINES PASTORALKONZIL»?
Zur Verbindlichkeit des Vatikanum II
In der Diskussion um das Konzil sind in letzter Zeit vermehrt Stimmen zu vernehmen, die darauf hinweisen, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils seien von geringerem lehramtlichen Gewicht. Anders als das Trienter Konzil oder das I. Vatikanum habe es keine Dogmen definiert oder Irrlehren verurteilt, daher seien die Aussagen weniger verbindlich. Diese Hinweise auf den geringeren Verbindlichkeitsgrad der Konzilsaussagen werden nicht ohne theologie- und kirchenpolitisches Interesse geäußert. Die Frage, wer an welchem Ort zu welchem Zeitpunkt wem gegenüber solche Äußerungen trifft, kann daher nicht als marginal beiseitegeschoben werden. So hat Walter Kardinal Brandmüller im Mai 2012 an einem symbolischen Ort – in Rom – zu einem sensiblen Zeitpunkt – nämlich in der Schlussphase der Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit der Piusbruderschaft – anlässlich der Präsentation des Buches Le ‹Chiavi› di Benedetto XVI per interpretare il Vaticano II im Rahmen eines Interviews die These vertreten, die Erklärungen Nostra Aetate und Dignitatis humanae seien lehramtlich letztlich nicht bindend. Gegenüber Radio Vatikan sagte er wörtlich: «Seltsamerweise haben die beiden umstrittensten Texte, nämlich Nostra Aetate und Dignitatis Humanae, nach der Einschätzung meines verehrten Professors in Kirchenrecht, Klaus Mörsdorf, keinen lehrmäßig bindenden Inhalt. Also kann man darüber reden! Und um die Wahrheit zu sagen: Ich verstehe unsere Freunde von der Piusbruderschaft nicht, die sich fast ausschließlich auf diese beiden Texte konzentrieren. Es tut mir leid – denn das sind die am einfachsten zu akzeptierenden Texte, gerade wenn wir ihre kanonische Natur bedenken!»

Diese Aussage hat nicht nur intra muros ecclesiae, sondern auch in der säkularen Öffentlichkeit für einige Irritationen gesorgt. Zu Recht. Denn in beiden Erklärungen geht es um die Stellung der katholischen Kirche zur Moderne, um ihr Verhältnis zum Judentum und den anderen Religionen, aber auch um die Anerkennung der Gewissens- und Religionsfreiheit, ja die Haltung der Kirche zum freiheitlichen, säkularen Staat.

Walter Brandmüller, der von 1998 bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften war und 2010 zum Kardinal ernannt wurde, hofft wie Papst Benedikt XVI. auf eine volle Rückkehr der Piusbruderschaft in die katholische Kirche. Joseph Kardinal Ratzinger hat schon 1985 in einem Interview zur Lage des Glaubens deutlich gemacht, dass alles getan werden müsse, um ein Schisma der Lefebvre-Bewegung abzuwenden. Drei Jahre später – nach dem Scheitern der Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit Lefebvre und nach dessen Bruch mit Rom durch die Weihe von vier Bischöfen trotz päpstlichen Verbots – hat der Präfekt der Glaubenskongregation in einer Ansprache gegenüber den Bischöfen aus Chile vom 13. Juli 1988 davor gewarnt, das Konzil zu einem «Superdogma» zu stilisieren und eine selbstkritische Besinnung der Kirche gefordert. Kein Christ könne und dürfe sich über eine Kirchenspaltung freuen. «Eine der fundamentalen Entdeckungen der ökumenischen Theologie ist, dass Schismen nur dann entstehen können, wenn in der Kirche einige Wahrheiten und einige Werte des christlichen Glaubens nicht mehr gelebt und geliebt werden. Die an den Rand gedrängte Wahrheit verselbstständigt sich, und von der Ganzheit der kirchlichen Struktur entwurzelt, bildet sich in ihrem Umfeld dann die neue Bewegung.» Dies müsse eine selbstkritische Besinnung gerade in Fragen der Liturgie und des Glaubenslebens anstoßen. Zugleich hält Ratzinger fest: «Das Zweite Vatikanische Konzil gegen Msgr. Lefebvre als Wertvolles und Verbindendes der Kirche zu verteidigen, ist und bleibt eine Notwendigkeit.» Allerdings habe es nach 1965 problematische Lesarten gegeben, die das II. Vatikanum als einen Nullpunkt interpretiert hätten, mit dem eine neue Tradition eröffnet worden sei. Der Absage an progressive Deutungen, die häufig mit einer Semantik der Innovation, ja der Revolution verbunden sind, folgt dann ein Satz, der aufhorchen lässt, da er eine gewisse Nähe zu traditionalistischen Konzilsinterpretationen aufweist: «Die Wahrheit ist, dass das Konzil selbst kein Dogma definiert hat, und sich bewusst in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte; trotzdem interpretieren es viele, als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt.» Nach seiner Wahl zum Papst hat Joseph Ratzinger durch die Wiederzulassung der Tridentinischen Messe (2007), aber auch durch die Aufhebung der Exkommunikation der vier traditionalistischen Bischöfe (2009) deutliche Zeichen eines Entgegenkommens gesetzt. Die Aufhebung der Exkommunikation wurde zu einem medialen Desaster, da einer der vier Bischöfe, der vom Anglikanismus zur Piusbruderschaft übergetretene Richard Williamson, ein notorischer Holocaustleugner ist, was dem Papst wegen kurialer Informationsdefizite nicht bekannt war. Benedikt XVI. selbst deutet den Vorgang, wie aus seinem Interviewbuch Licht der Welt hervorgeht, als einen rein kirchenrechtlichen Akt: Wie die Exkommunikation nicht wegen unbeugsamer Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil, sondern wegen des Verstoßes gegen den päpstlichen Primat ausgesprochen wurde, so wurden die schismatischen Bischöfe der Piusbruderschaft mit der neuerlichen Anerkennung des päpstlichen Primats von der Exkommunikation wieder befreit. Dennoch wurde der Vorgang theologisch kontrovers diskutiert, weil die Aufhebung der Exkommunikation an keine weiteren Vorbedingungen geknüpft worden war. Seitdem steht die Frage im Raum, unter welchen Konditionen die Piusbruderschaft, die bekanntlich zentrale Lehren des Konzils hartnäckig ablehnt, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückkehren kann. Die Verhandlungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. [...]


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