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Professorin für Katholische Theologie und Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
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Leseprobe 1
Josef Wohlmuth
JERUSALEM – STADT CHRISTLICHER KONFESSIONEN – STADT DREIER WELTRELIGIONEN
Eine Stadt, die trennt und verbindet
Auf verschiedene Weise lässt sich über Jerusalem schreiben. Alex Stock hat jenseits aller touristischen und auch pilgermäßigen Interessen, mit denen heute viele Menschen nach Jerusalem kommen, vor allem darauf aufmerksam ge- macht, dass Jerusalem, so wie es heute vorgefunden wird, eine in Stein gehauene Theologie, d.h. eine ortsbezogene Gotteslehre darstellt. Ich will versuchen, vor allem narrativ an das Thema heranzugehen. Immer wieder ist zu hören, dass ein einziger Besuch genügt, um von dieser Stadt nicht mehr los zu kommen. Dies gilt umso mehr nach längeren Aufenthalten, denn sie wirken so intensiv nach, dass es, wenn man darüber schreibt, zu einem ganz eigenen Stil führt. Überall schwingt unweigerlich mit, wie anders diese Stadt in religiöser, kultureller und auch politischer Hinsicht ist und welche geschichtliche und theologische Last auf ihr liegt. Die meisten Jerusalembesucher und auch Pilger haben nur wenige Stunden, um sich mit einigen Aspekten Jerusalems vertraut zu machen. Ich habe im Abstand von fast 20 Jahren zweimal für acht Monate dort gearbeitet (1984/85 und 2003/04) und konnte nach meiner zweiten Rück- kehr gar nicht anders, als über die Erfahrungen schreibend nachzudenken. Die folgenden Ausführungen nehmen darauf Bezug und greifen Fragen auf, die viele Pilger beschäftigen, wenn sie längst wieder zuhause angekommen sind. Drei Aspekte greife ich heraus: 1. Die Vielfalt der christlichen Konfessionen, 2. die drei Weltreligionen und 3. der Streit um Jerusalem als einer Stadt, die trennt und verbindet.

1. Stadt mehrerer christlicher Konfessionen

Jerusalem ist keine christliche Stadt. Aber es leben in ihr auf engstem Gebiet eine Reihe christlicher Konfessionen zusammen, die sich im Laufe der Jahrhun- derte um die heiligen Stätten angesiedelt haben und erst in jüngster Zeit von einem gefährlichen Aderlass bedroht sind. Wo stößt man auf diese christlichen Denominationen? Es gibt in der Altstadt das «christliche Viertel», wo man grie- chisch-orthodoxe, armenische, griechisch-katholische (melkitische), katho- lische und evangelische Angehörige ihrer Kirchen in den engen Gassen und in ihren Läden antreffen kann. Das armenische Viertel beherbergt die Angehörigen dieser altehrwürdigen Kirche und zugleich eine Ausbildungsstätte ihres künftigen Klerus. In diesen christlichen Vierteln liegen auch die Patriarchalsitze dieser Kirchen und die Propstei der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche. Je näher man der Grabeskirche kommt, werden bisweilen auch Mitglieder der Bruder- schaft vom Heiligen Grab in ihren schwarzen Gewändern auffallen, denen die Pilgerschaft dann im Heiligen Grab in ihren Wächteraufgaben begegnen wird.

Wer als christlicher Pilger nach Jerusalem kommt, kann es kaum erwarten, den Ort aufzusuchen, an dem der Überlieferung nach seit der spektakulären Pilger- reise der Kaiserinmutter Helena (zwischen 326 und 328 n. Chr.) das Kreuz Jesu aufgefunden worden sein soll und eine rege Bautätigkeit Kaiser Konstantins in Jerusalem einsetzte. Wer deshalb die Grabeskirche oder (nach griechischer Bezeichnung) die ‹Anastasis›, d.h. Auferstehung(skirche) betritt, wird nicht zuerst nach der Architektur und Geschichte fragen. Er wird kommen, um zu beten und wie die Gläubigen der Orientalischen Kirchen niederzuknien und zu berühren. Kurz: Um in Ruhe dessen zu gedenken, was an diesem Ort verehrt wird. Nicht selten aber werden die in Stille Betenden erfahren, dass dem alles im Wege zu stehen scheint. Auf einen gewissen Pilgerandrang werden alle Besucher gefasst sein, auch auf eine gewisse Beachtung der Ordnung, auf der das Aufsichtspersonal besteht.

Wer sich in der Grabeskirche zum ersten Mal sehend und hörend aufhält, wird notgedrungen mit der Frage konfrontiert, wem dieser Kirchenraum gehört, zumal das Heilige Grab und die Höhe von Golgotha. Die Frage stellt sich vor allem durch das, was hier je nach Tages- oder Festzeit zu hören ist. Denn die christlichen Denominationen teilen sich in einer diffizilen Bemessung den Raum und treffen sich dort häufig nicht zeitlich versetzt, sondern gleichzeitig, je nach der Vorgabe des eigenen liturgischen Kalenders. Daher kommt es, dass zumal in der Morgenzeit verschiedene Stimmen zu hören sind: Da erklingt aus der lateinischen Kapelle der Franziskaner neben den gregorianischen Gesängen die Orgel, während eine kleine koptische Gemeinde in einer Nische auf der Rück- seite des Heiligen Grabes die Liturgie feiert. Bisweilen ertönen zur selben Zeit die kräftigen Stimmen der armenischen Seminaristen aus einer ihrer Kapellen. Nur die jüngeren Konfessionen der Reformation haben in der Grabeskirche keine Stimme. Dafür hat Kaiser Wilhelm II. bei seinem Jerusalembesuch 1898, d.h. noch zu osmanischer Zeit, neben der Grabeskirche die lutherische Erlöserkirche eingeweiht.

Bei aller historischen Unsicherheit, ob der Ort der Hinrichtung Jesu und seines Grabes nach etwa 300 Jahren noch identifiziert werden konnte, ist heute auf- grund der verschiedenen Ausgrabungen dennoch gesichert, dass es sich um ein hügeliges Steinbruchgebiet gehandelt haben muss, das tatsächlich in die hero- dianische Periode und somit angenähert auch in die Zeit Jesu zurückreicht. Höhenunterschiede sind immer noch zu erkennen. Man muss z.B., um an den Ort zu kommen, an dem Golgotha verehrt wird, eine steile Treppe hinaufstei- gen. Das Heilige Grab liegt auf Kirchenniveau entsprechend tiefer als Golgotha. Wer es in seinem derzeitigen Zustand als fast einsturzgefährdetes Heiligtum im Heiligtum zu sehen bekommt, wird eher erschrecken. Wenn man sich dem An- drang der Pilger aussetzt und jene Stelle betritt, um derentwillen man schließlich nach Jerusalem kommen wollte, wird klar, dass der Ort der Auferstehung Jesu ein leerer Ort ist, von dem man sich wünschen würde, dass auf jegliche Aus- stattung verzichtet würde. Da ist das einzig Wichtige, ein wenig Platz und Stille zu finden, um niederzuknien und das Wort des Johannesevangeliums auf sich wirken zu lassen: «Selig, die nicht sehen und doch glauben» (Joh 20,29). Oder um im Markusevangelium zu hören: «Er ist nicht hier» (Mk 16,6). [...]


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