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Editorial
Von Paulus, dem Patron der Wissenschaft, wird erzählt, dass er in Ephesus die Synagoge besucht und dort in allem Freimut vom Reich Gottes predigt, wie es auch Jesus selbst getan hat (Apg 19, 8). Das entspricht der üblichen Praxis des Missionars. Die Fortsetzung indes lässt aufhorchen: «Als sich aber einige verhärteten und verschlossen, indem sie den Weg vor der Menge schlechtredeten, trennte er sich von ihnen und sonderte seine Schüler ab und debattierte täglich in der Schule des Tyrannus» (Apg 19, 9).

Lukas beschreibt in dieser Episode nicht die Gründung der ersten christlichen Privatuniversität. Aber er setzt doch ein Ausrufungszeichen: Das Christentum ist diskussionsfreudig und gesprächsfähig; es scheut weder die Öffentlichkeit noch die Kritik; es ist diskursiv, kommunikativ und reflexiv. In den meisten Kommentaren und Übersetzungen kann man diese Pointe allerdings nur mit Mühe erkennen. Die Konzentration gilt dem Konflikt in der Synagoge. Lukas erzählt stereotyp von solchen Auseinandersetzungen, sicher nicht ohne historische Anhaltspunkte, aber sicher auch nicht, weil er von einer Erbfeindschaft zwischen Judentum und Christentum berichten wollte. Auch in der Ephesus-Szene weist nichts in diese Richtung, entgegen der Meinung vieler Interpreten. Es sind in der Synagoge weder alle noch viele, sondern nur «einige», die den christlichen Glauben und die paulinische Predigt diskreditieren wollen. Paulus schlägt auch nicht mit lautem Knall die Synagogentüre hinter sich zu, sondern hält nur Abstand zu denen, die er schlicht nicht erreichen kann. Er bildet einen eigenen Schülerkreis – der sich zum größten Teil aus Synagogenbesuchern zusammengesetzt haben muss und nach wie vor in enger Verbindung mit dem ephesinischen Judentum steht. Dass Lukas von Paulusschülern spricht, ist signifikant: Das Judentum ist eine Bildungsreligion, die auf Alphabetisierung, auf Exegese und Jurisprudenz, Theologie und Philosophie (weniger auf Naturwissenschaft) gesetzt hat; Paulus selbst hat, zwischen Tarsus und Jerusalem, eine exzellente Bildungslaufbahn im Judentum seiner Zeit durchmessen; er bringt dieses Erbe ins Christentum ein – nicht allein, aber in der Anfangszeit wie kein Zweiter.

Die Schlussnotiz der lukanischen Szene passt in dieses Bild. Nach der Einheitsübersetzung in der alten Fassung hat Paulus nur seine «Jünger» (wie es dort heißt) unterrichtet. Aber der griechische Text ist offen. Die ganze Formulierung zeigt diese Offenheit. Das Prädikat des Satzes portraitiert Paulus als Dialektiker: Er redet und doziert nicht nur, sondern diskutiert. Die erzählte Situation passt dazu. Eine «Schule» ist ein Hörsaal, ein Auditorium, ein öffentlicher Bildungsraum, frei zugänglich für alle Interessenten. Dass Tyrannus, der sie zur Verfügung gestellt hat, selbst Christ gewesen sei, ist nicht gesagt. Die Namensnennung erklärt sich auch, wenn er eine stadtbekannte Persönlichkeit gewesen ist. Vielleicht war er Rhetor, der sein privates Bildungsinstitut aufgebaut hat. Gegen Geld konnte man sich einmieten, gegen Geld konnten auch Kurse besucht, Vorlesungen belegt, Debatten geführt werden. Wie lebendig diese Vorstellung in der Antike gewesen ist, belegt der «westliche Text», der in einer abweichenden Lesart festhält, Paulus habe die Mittagsstunden von 11–16 Uhr für seine Vorlesungen und Diskussionsrunden genutzt – wohl weil die Räumlichkeiten dann nicht anderweitig ausgebucht waren.

Die ephesinische «Paulus School» hat hier ihren Ursprung. Wie weit man von Wissenschaft sprechen soll, steht dahin, auch wenn die paulinischen Exegesen und Argumentationen hohen akademischen Standards genügen, ja selbst diese Standards gesetzt haben. Aber der Hörsaal des Tyrannus ist nicht der Ort für die innergemeindliche Katechese. Was in ihm zur Sprache kommt, ist auch nicht dasselbe wie bei den öffentlichen Gesprächen auf dem Markt. Er bietet einen Raum christlicher Intellektualität. Ob Paulus eine Art «Einführung ins Christentum» gegeben hat? Einen theologischen Grundkurs? [...]


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