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Leseprobe 2
Karl-Heinz Menke
DIE SAKRAMENTALITÄT DER EUCHARISTIE
Im Kontext der vielen Veranstaltungen zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde häufig auch über die sogenannten «Bewegungen» gesprochen, die im Vorfeld Fragen gestellt, neue Sichtweisen ermöglicht und eingefahrene Gleise verlassen haben. Eine dieser «Bewegungen» war die eucharistische, getragen u. a. von Romano Guardini, Odo Casel, Johannes Andreas Jungmann und Johannes Betz.

Es ist das bleibende Verdienst des Benediktiners Odo Casel (1886–1948), an die patristische Lehre von der eucharistischen Vergegenwärtigung der sogenannten «mysteria Christi» erinnert zu haben. Mit dem Begriff «Mysterien» bezeichnet er (a) das trinitarische Wesen Gottes, (b) die Heil stiftenden Ereignisse des Lebens, des Sterbens und der Erhöhung des Erlösers und (c) die Liturgie (das «Kultmysterium»), insbesondere die Eucharistiefeier. Joseph Ratzinger hat Odo Casel eben deshalb «die vielleicht fruchtbarste theologische Idee» des 20. Jhs. zugesprochen. Denn der Benediktiner hat die bis weit in das 20. Jh. hinein gängige Vorstellung beseitigt, die Eucharistiefeier sei lediglich die Vermittlung der Früchte des Erlösungsgeschehens an den je einzelnen Empfänger. Casel hat neu entdeckt, dass nicht nur die Wirkung, sondern auch die Ursache des Heils, das Christusgeschehen selbst, in der eucharistischen Liturgie Gegenwart wird. Mit dem Hinweis, das lateinische Wort sacramentum sei eine problematische, weil verengende Übersetzung des griechischen Terminus μυστήριον, hat Casel den scholastischen Sakramentsbegriff aufgebrochen. Der Erlöser, so betont er immer wieder, teilt nicht nur den effectus seines Lebens und Sterbens mit, sondern sich selbst – gemäß der oft zitierten Sentenz Papst Leos des Großen: «Alles, was im Leben Jesu dessen erlösende Kraft durchscheinen ließ, ist eingeflossen in die Mysterien der Kirche.»

1. Sakramentale Gegenwart als kommemorative Aktualpräsenz


Hier kann im Einzelnen nicht referiert werden, warum Casel mit seiner Entdeckung eine Welle von Kontroversen ausgelöst hat. Einige davon betrafen lediglich seine Exegese und Patrologie. Andere galten der Frage, wie das Christusgeschehen der Vergangenheit in der Eucharistiefeier Gegenwart wird.

Unbestritten ist aus heutiger Sicht: Casels Rekurs auf die Mysterienkulte der griechischen Antike ist eher fragwürdig. Denn dieser Rekurs ist verbunden mit der Vorstellung von der Selbstvergegenwärtigung bzw. Erscheinung (Epiphanie) von Gottheiten oder Urereignissen der griechischen Mythologie – in dem Sinne, wie der Kieler Mythos-Forscher Kurt Hübner das Erscheinen des Zeus im Blitz, der Göttin Athene in jedem klugen Gedanken, des Gottes Hephaistos in jedem gelungenen Werk eines Schmieds, der Göttin Diana in jeder erfolgreichen Jagd erklärt. Inzwischen darf als erwiesen gelten, dass die Wurzeln des christlichen Begriffs μυστήριον (sacramentum) nicht in der griechischen Mythologie, sondern in der jüdischalttestamentlichen Tradition zu suchen sind; dass – positiv formuliert – das biblisch bezeugte Bundesgeschehen eine Denkform bereitstellt, die verstehen lässt, wie ein Ereignis der Vergangenheit Gegenwart werden kann.

Casel will die nachtridentinische Vorstellung ausmerzen, die Eucharistiefeier sei ein eigenes Opfer der Liturgie feiernden Kirche neben dem einen und einzigen Opfer Christi. Er wurde damit zu einem Pionier der vorkonziliaren Ökumene. Denn im Horizont seines Denkens bezeichnet der Sakramentsbegriff nicht bestimmte Effekte ex opere operato, sondern die Gegenwart des Heilshandelns Christi selbst. Christus ist der eigentlich Handelnde. Das kam den protestantischen Theologen entgegen, die das katholische Meßopfer als Opfer der Kirche zusätzlich zum Opfer Christi verstanden. Auf einmal erschien das, was die Protestanten als Abendmahl des einladenden Christus feiern, gar nicht mehr so weit entfernt vom katholischen Messopfer – wenn man denn den einladenden Mahlherrn Jesus Christus auch als den sich in mysterio vel sacramento Opfernden versteht.

Inzwischen ist, was das ökumenische Potential des erweiterten Sakramentsbegriff betrifft, Ernüchterung eingekehrt. Denn die sakramentale Gegenwart des Heilshandelns Christi ist ein Bundeshandeln. Christus handelt nicht an seiner Kirche ohne sie, sondern mit ihr. Deshalb ist das sakramental vergegenwärtigte Opfer des Erlösers auch ein Opfer der Erlösten – gewiss nicht im additiven Sinn, aber doch so, dass die Empfänger keine bloßen Objekte, sondern Subjekte dessen sind, was sie empfangen.

Letzteres hat auch Casel viel zu wenig beachtet. Denn er gründet sein Verständnis von Vergegenwärtigung auf die platonische Verhältnisbestimmung des Abbildes zum Urbild. «Im Symbol», so erklärt er, «besitzen wir unmittelbar das Urbild, die Urheilstat […]. So haben wir im Mysterium wahrhaft und wirklich gegenwärtig das historisch vergangene Heilswerk».  [...]


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