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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
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Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Leseprobe 2
Ioannis Spiteris
DIE HEILIGKEIT DER KIRCHE IM VERSTÄNDNIS DER OSTKIRCHEN
Zur Theologie des Nikolaus Kabasilas
Bekanntlich ist einer der Grundgedanken des hl. Paulus die Idee des «Leibes Christi». Sein oft gebrauchter Ausdruck «in Christus sein» (vgl. z.B. Gal 3, 27f ) meint die tiefe persönliche Verbindung zwischen den Getauften und dem auferstandenen Christus. Wer «in Christus» ist, steht unter dessen leben spendendem, umgestaltendem Einfluss, der aus ihm eine «neue Schöpfung» macht (2 Kor 5, 17). In seinem tiefen Sein besitzt er schon ein auferstandenes Leben, das Leben des auferstandenen Christus.

Paulus wiederholt: «Wir sind ein einziger Leib in Christus» (Röm 12, 5; 1 Kor 12, 12) und Christus ist das «Haupt» seines Leibes, der die Kirche ist (Kol 1, 18; Eph 1, 22f ). So entwickelt er eine Ekklesiologie, die in einem gewissen Sinne eine Christologie ist. Für Paulus ist die Kirche gleich Christus. Christus kann nicht ohne seinen Leib gesehen werden, der die Kirche ist. Das ist nicht so zu verstehen, als wäre die Kirche eine Körperschaft, die Christus angehört; in ihrem tiefsten Wesen ist sie vielmehr die Person des Auferstanden selbst.

Die «Verchristlichung» des Menschen ist für Paulus ein ganz realer und nicht nur ein symbolischer Vorgang. Deshalb «meint der Ausdruck Leib Christi in den Paulusbriefen nie eine Gemeinschaft, die außer der Person Christi auch alle mit ihm vereinten Gläubigen umfassen würde. Christus ist immer der einzige Christus; folglich muss der Leib Christi als ein physischer Leib verstanden werden, mit dem wir engstens verbunden sind, und der als geistiger und lebensspendender Leib (1 Kor 15, 45) uns das Leben schenkt».

Zugang zum Vater haben wir nach Paulus nur, wenn wir durch die Einpflanzung in Christus, der uns in die Tiefen des Vaters führt, eine «neue Schöpfung» sind. Die Vaterschaft Gottes darf nicht nur symbolisch verstanden werden; sie ist ein wirklicher Bezug zu ihm, der den Menschen umgestaltet, indem er ihn in das Innenleben des dreifaltigen Gottes einführt. Die Christen «haben Teil an der göttlichen Natur» (1 Petr 1, 4); denn wir haben, wie der Epheserbrief sagt, «in dem einen Geist durch Christus Zugang zum Vater» (vgl. Eph 2, 18). Heiligkeit bedeutet Teilhabe an der Gott-Natur des Vaters durch Christus im Geist. Die Christen, die so in die Familie Gottes eintreten werden «Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes» (vgl. Eph 2, 19).

Diese paulinischen Gedanken bilden die biblische Grundlage für die von der ostkirchlichen Theologie entfaltete Lehre von der «Vergöttlichung» oder «Gottwerdung» des Menschen, was der lateinischen «heiligmachenden Gnade» entspricht. Was wir Lateiner die «heiligmachende Gnade» nennen, ist für die Theologen der Ostkirche das göttliche Leben des Vaters, das uns durch die Vermittlung Christi kraft des Heiligen Geistes geschenkt wird. Die Kirche ist heilig, weil die Menschen durch Christus im Geist teilhaben am heiligen Leben Gottes. Die Vergöttlichung oder Heiligung des Menschen hat eine grundlegend kirchliche Dimension. Gregor Palamas schreibt: «Die Kirche ist die Gemeinschaft der Vergöttlichten».

Die heutige orthodoxe Theologie hat wie die lateinische die alte paulinische Wahrheit wiederentdeckt, dass die Kirche der Leib Christi ist, und sie hat alle Folgerungen daraus gezogen. Nur in der Kirche vollzieht sich unsere Vergöttlichung; weil der Leib Christi grundlegend durch den Heiligen Geist auferbaut wird. Die orthodoxen Theologen stellen heute Christus und die Kirche nahezu gleich. Als Beispiel diene das Denken von Georg Florovskij (1893–1979). Er unterstreicht energisch die Gleichsetzung der Kirche mit Christus. Für ihn «ist die Kirche Christus selbst», weshalb die Lehre von der Kirche «nur ein Kapitel, ein entscheidendes Kapitel der Christologie» ist. Diese Gleichsetzung ergibt sich für Florovskij aus der Vergöttlichung: In Christus verwirklicht sich der Heilsplan Gottes, seine Selbstmitteilung an die Menschen und ihre Vergöttlichung, in seiner ganzen Fülle. «Die Kirche Christi, sagt er, ist der geheimnisvolle Ort, an dem sich die «Vergöttlichung» oder «Gottwerdung» (theôsis) der ganzen Menschheit durch den Heiligen Geist vollzieht und fortsetzt.»

Die Heiligkeit der Kirche als Leib Christi oder, gleichbedeutend, als Ort der Vergöttlichung wurde in der Theologie der Vergangenheit in eher pastoraler und leichter zugänglicher Sprache so ausgedrückt: Die Kirche als ganze und jeder/jede einzelne Gläubige nimmt am «Leben in Christus» teil.

1. Die Heiligkeit als «Leben in Christus» nach Nikolaus Kabasilas

Vielleicht keiner hat die Gleichsetzung von Vergöttlichung, Heiligung und Leben in Christus mit größerem Nachdruck unterstrichen als der byzantinische Theologe Nikolaus Kabasilas (1322–1395), namentlich in seiner Schrift «Leben in Christus». Sie ist das Hauptwerk Kabasilas’ und eines der wichtigsten Werke der ostchristlichen Literatur. Man kann es als eine Zusammenfassung der besten byzantinischen theologischen Tradition betrachten. Es ist ebenso eigenständig wie in der Tradition verankert. [...]


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