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JOACHIM HAKEJoachim Hake
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Professorin für Katholische Theologie und Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
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Professor für dog-
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Editorial
Andreas Bieringer
Mit einer fast unvorstellbar hohen Auflage von knapp 4 Millionen Exemplaren ist das neue Gotteslob (neben der Bibel) das letzte religiöse Massenmedium unserer Tage. Sein Gültigkeitsbereich erstreckt sich über fast den gesamten deutschen Sprachraum: von der Nordsee bis nach Südtirol, von Lüttich in Belgien bis nach Görlitz in der Lausitz, von Freiburg im Breisgau bis an die Donau nach Wien. Lediglich die Schweiz, Lichtenstein sowie die elsässischen und lothringischen Bistümer (Straßburg, Metz) haben sich nicht beteiligt. Kein Wunder also, wenn die nun erschienene Neuauflage des ursprünglich 1975 in Kraft getretenen Gebet- und Gesangbuches der katholischen Bistümer heute als europäisches Ereignis gefeiert wird. Damit zeigt sich, dass es neben dem spirituellen Inhalt und seiner kirchlichen Funktion auch ein Kulturgut ersten Ranges ist. Im katholischen Gotteslob sind Dichtungen großer Autoren wie Johannes Tauler, Martin Luther, Friedrich von Spee oder Matthias Claudius enthalten. Ebenso findet man darin Vertonungen berühmter Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Hans Leo Hassler und Franz Schubert. Auch religiös Unmusikalische können, wenn sie ein ästhetisches Sensorium haben, leicht erkennen, welche Schätze in den Liedern und Gebeten des neuen Gotteslobs verborgen sind. Es kommt ein Schiff geladen oder Christ ist erstanden zählen zu den bedeutendsten Texten der deutschsprachigen Lyrik. Das Kirchenlied ist dabei eine ihrer vernachlässigten Besonderheiten. Damit atmet das Gotteslob weit über binnenkirchliche Grenzen hinaus Kultur.

Das aktualisierte Gebet- und Gesangbuch ist aber nicht nur ein Denkmal deutschsprachiger Hochkultur. Innerhalb weniger Nummern treffen Beispiele schlichter Volksfrömmigkeit auf moderne Andachtsgesänge aus Taizé, Gregorianische Choräle und die Hymnen eines Thomas von Aquin stehen in unmittelbarer Nähe zum Neuen Geistlichen Liedgut. Anhand eines Gesangbuches kann man immer auch das geistliche und kulturelle Profil einer Gesellschaft erkennen.

Bei der Einführung der ersten Ausgabe des Gotteslobes vor knapp 40 Jahren wurde das neue Einheitsgesangbuch in dieser Zeitschrift gerade in Hinblick auf die Liedauswahl als uniformierend und reduzierend kritisiert. Hans Maier hielt damals pointiert fest: «Seltsam: bei der (muttersprachlichen) Gestaltung der Gottesdienste machten sich in den vergangenen Jahren pluralistische Tendenzen bis zum Anarchischen breit; beim Liedgut verlangt man das einheitliche Gardemaß – als gälte es, die Individualität, das Unnachahmliche, Künstlerische nachträglich wie einen Makel, einen Auswuchs abzuschleifen.» Wenn nun im neuen Gotteslob 140 Lieder aus dem alten vollständig entfernt wurden, war die damalige Kritik wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch die Rückkehr bzw. die Aufnahme vieler geistlicher Volkslieder wie Der Mond ist aufgegangen, O du fröhliche oder Maria durch ein Dornwald ging runden dieses Bild ab. Damit konnte aber nicht verhindert werden, dass es im neuen Gotteslob genügend «matte Produkte binnenkirchlicher Art» gibt. Das Konzept des Einheitsgesangbuches hat sich trotz damaliger Bedenken heute durchgesetzt. Die unübersehbare Stärkung der diözesanen Eigenteile in der Neuausgabe streicht jedoch die regionalen Identitäten viel klarer heraus als früher. Sie sind nun keine Anhängsel mehr, sondern fast überall voll rubrizierte Gesangbücher.

Wer das auch äußerlich sehr anspruchsvoll gestaltete Buch in Händen hält, begegnet darüber hinaus dem Ursprung und der Geschichte unserer Herkunft. Die gesungene und gebetete Überlieferung umspannt von den Psalmen bis zur Gegenwart zweieinhalb bis drei Jahrtausende. In Zeiten des rapiden religiösen Gedächtnisverlusts kommt einem christlichen Gebet- und Gesangbuch eine neue Rolle zu: Wie selten zuvor gilt es heute die Schätze der kirchlichen Tradition zu bewahren, um sie erfolgreich an die nächsten Generationen weiterzugeben: «Wer seine eigene Tradition nicht kennenlernt, nicht damit rechnet, dass sie möglicherweise Unabgegoltenes und für die Gegenwart Aktuelles enthält, den kann es vielleicht die Zukunft kosten.» Das neue Gotteslob greift dieses Anliegen auf, wenn es auf seinen 1300 Seiten einen neuen katechetischen Schwerpunkt setzt, um gegen den Gedächtnisverlust Widerstand zu leisten. Die veränderten kirchlichen Strukturen und eine säkulare Gesellschaft müssen dabei langfristig nicht das Ende eines so groß angelegten Projekts bedeuten. Das Gotteslob zeigt an einigen Stellen sehr geschickt auf, dass es möglich ist, an die moderne Welt und ihre Bedürfnisse anzuschließen. Denn auch heute singt die Kirche, aller menschlichen Abgründe zum Trotz, das riskante aber befreiende Lied von der Treue Gottes. [...]


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