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JOACHIM HAKEJoachim Hake
Direktor der Katholische Akademie in Berlin e.V.
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Professorin für Katholische Theologie und Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
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Professor für dog-
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
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Leseprobe 2
Michael Gassmann
DAS EINE BUCH FÜR DIE EINE KIRCHE
Das neue Gotteslob und seine musikalische Gestaltung
Der erste Eindruck, den man vom neuen Gotteslob gewinnt, ist der einer ungeheuren, womöglich nie dagewesenen Fülle an Liedern. Liest man dann auf der Website www.mein-gotteslob.de den Abschnitt über «die wichtigsten Fakten zu den Liedern im Stammteil», ist man erstaunt: 280 Lieder wurden für den Stammteil ausgewählt, nur zehn mehr als im Stammteil des alten Gotteslobs. Woher kommt dann dieser Eindruck? Es muss daran liegen, dass so viele populäre Lieder nun vertreten sind, die beim alten Gotteslob außen vor bleiben mussten. Aus dem kirchlichen Gesangbuch ist ein gutes Stück weit ein geistliches Volksliederbuch geworden: «Der Mond ist aufgegangen», «Nun ruhen alle Wälder», «Maria durch ein Dornwald ging», «O du fröhliche», «Adeste fideles», «Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind» – diese Lieder sind, ihrer Bekanntheit und Ehrwürdigkeit zum Trotz, Neuzugänge. Und natürlich empfindet man sie als Bereicherung; in den Eigenteilen der Diözesen werden sie um regional Volkstümliches ergänzt, sogar die Bayernhymne wurde aufgenommen. Fast schon volksliedhafte Popularität genießt in Teilen Süddeutschlands und in Österreich Franz Schuberts Deutsche Messe. Auch sie wurde vollständig integriert, nachdem sie in den Jahrzehnten zuvor in zahllosen Gemeinden ein unwürdiges Dasein auf Einzelblättern gefristet hatte.

Der Einzug des Volksliedhaften in das neue Gotteslob ist das vielleicht auffälligste Merkmal des Buches; und es ist zugleich ein klares Zeichen dafür, dass auch ein Gesangbuch, das in zehnjähriger Arbeit von Hunderten von Mitarbeitern in einer Vielzahl von Kommissionen unter Berücksichtigung zahlreicher kirchlicher, kirchenmusikalischer, liturgischer und regionaler Bedürfnisse erstellt wurde, recht deutlich nicht nur vom Heiligen Geist, sondern auch vom Zeitgeist angeweht werden kann. 1975, als das alte Gotteslob erschien, war alles «Tümliche» überaus verpönt, auch in der Musik. Seit einigen Jahren aber ist eine gewaltige Renaissance des Volksliedes zu beobachten. Das «Liederprojekt» eines schwäbischen Verlages etwa mit Editionen von Volksliedern, Wiegenliedern, Weihnachtsliedern und Kinderliedern ist ein Sensationserfolg. Heimat ist inzwischen ebenso wenig ein Unwort wie Traditionsverbundenheit. Das Motto der Zeit könnte lauten wie das eines bekannten Kaufhauses für Handgefertigtes: «Es gibt sie noch, die guten Dinge». Daran knüpft das neue Gotteslob musikalisch an.

Die Rückbesinnung auf die guten Dinge trägt auch einen deutlich ökumenischen Zug. Bei der reichen evangelischen Liedtradition hat man sich mit glücklicher Hand bedient: «Ach bleib mit deiner Gnade» mit der schönen Melodie von Melchior Vulpius (1609), das berühmte «Aller Augen warten auf dich, Herre» von Heinrich Schütz (im Eigenteil Freiburg/ Rottenburg), Paul Gerhardts «Befiehl du deine Wege», Gellerts «Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht» und Georg Friedrich Händels «Tochter Zion» halten nun Einzug in die katholische Gottesdienstpraxis, die damit um einige besonders starke Melodien reicher wird. Auch musikalisch ist das neue Gotteslob ökumenischer als jedes katholische Gesangbuch zuvor. Und das bezieht sich nicht nur auf evangelisches Liedgut; erstmals haben auch einige Melodien aus der orthodoxen Liturgie Eingang gefunden.

Mit der konfessionellen Offenheit korrespondiert eine geographische Offenheit, die diejenige der Vorgängerpublikation weit übertrifft. Hinzugekommen sind etwa Lieder der Engländer Samuel Sebastian Wesley, Clement Cotterill Scholefield und William Henry Monk, des Franzosen André Gouzes sowie Melodien aus dem skandinavischen Raum. Die erweiterte Internationalität rührt einerseits von der Einbeziehung des sogenannten Neuen Geistlichen Liedes her, zum anderen von der Neugier, mit der man sich bei anderen Konfessionen nach älteren brauchbaren Liedern umgesehen hat.

Eine Scheu vor alten Melodien kennt das neue Gotteslob nicht. Eine Reihe von Liedern mit alten, gar sehr alten Melodien wurde neu in den Stammteil aufgenommen. Ein Beispiel für diesen Typus ist Nr. 396 «Lobt froh den Herren» auf eine Melodie von 1815 (Text 1795), ein anderes Nr. 465 «Das Jahr steht auf der Höhe» (1978 gedichtet) auf eine Melodie von 1575. Außerdem gibt es Lieder aus jüngster Zeit, die scheinbar steinalt sind, etwa Nr. 469 «Der Erde Schöpfer», dessen Melodie in Ottawa 1994 entstand, das aber im Stile eines alten Hymnus komponiert wurde. Auch hier ist der Rückgriff auf Bewährtes offensichtlich.

Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die prominente Stellung von Taizé-Gesängen im neuen Gesangbuch. Rund zwanzig Lieder dieses Repertoires mit ihrem unverkennbaren, romanisch-süßlichen und meditativen Duktus haben es in den Stammteil geschafft, weitere finden sich in den Eigenteilen. Diese Lieder sind nun auch schon einige Jahrzehnte alt, und ihr Eingang ins allgemeine Repertoire ist ein klares Indiz dafür, dass eine bestimmte Form meditativer Spiritualität zum Mainstream geworden ist. Musikalisch drückt sich hier der Wunsch nach Stille und Kontemplation aus. Mögen auch die Klöster am Nachwuchsmangel zugrunde gehen, das Klösterliche als temporäre Lebensform ist populärer denn je. Nächtliche Kirchen, stimmungsvoll illuminiert, und eben Taizé-Gesänge bilden die Ingredienzien einer Klosterkultur nach Feierabend. Die Lieder des Jacques Berthier sind – anders, als manche es erwartet haben – nicht mit ihren frühen Anhängern gealtert, sondern finden ein immer neues Publikum. [...]


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