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Leseprobe 3
Andreas Bieringer
DAS NEUE GOTTESLOB ATMET KULTUR
Gebete und Andachten im katholischen Gebet- und Gesangbuch
Eingriffe in liturgische Bücher sind eine heikle Angelegenheit. Im deutschen Sprachraum wurde dies zuletzt beim «gescheiterten» Begräbnis-Rituale von 2009 deutlich. Die Kluft zwischen den römischen Vorgaben und den pastoralen Anforderungen in den Gemeinden schien für viele Verantwortliche zu groß. Die Editio Typica Tertia des Römischen Messbuches (2002) ist, im Unterschied zu anderen Sprachgruppen der katholischen Welt, auch zwölf Jahre nach ihrem Erscheinen noch immer nicht auf Deutsch veröffentlicht. Mit einem raschen Inkrafttreten rechnet derzeit kaum jemand. Umso erstaunlicher ist das überaus positive Echo auf das neue katholische Gotteslob, das nach seinem ersten Erscheinen 1975 eine zweite, grundlegende Überarbeitung erfuhr. Das neue Gotteslob gehört mit seiner überwältigenden Auflage von 3,6 Millionen Exemplaren neben der Bibel zum wichtigsten Buch in den katholischen Gemeinden. Sein Gültigkeitsbereich reicht von der Nordsee bis nach Südtirol, von Lüttich in Belgien bis nach Görlitz in der Lausitz, von Freiburg im Breisgau bis nach Wien. Auch wenn sich die Schweiz (wie auch Lichtenstein) nicht beteiligt hat, deckt es dennoch beinahe den gesamten deutschsprachigen Kulturraum ab. Das Gotteslob ist zwar kein liturgisches Buch im eigentlichen Sinn, seit den nachvatikanischen Erneuerungen der Liturgie wird es allerdings als liturgisches Rollenbuch für das Kirchenvolk verstanden. Seither ist es aus den Gottesdiensten im deutschen Sprachraum nicht mehr wegzudenken.

Auch wenn es für ein Resümee noch zu früh ist, stellt sich dennoch die Frage, was mit dem Gotteslob gelungen ist, womit man in der Liturgie sonst häufig kämpft. Drei Punkte stechen dabei heraus: das klare Bekenntnis zur eigenen Tradition, die Nähe zum gläubigen Kirchenvolk und die Aufgeschlossenheit für neue (spirituelle) Entwicklungen. Mit seiner ökumenischen, geographischen und kirchenmusikalischen Offenheit verdient es zudem im vollsten Sinn das Prädikat katholisch. Natürlich gibt es auch ernstzunehmende Kritik. Einige bemängeln die zu geringe Bedeutung des Gregorianischen Chorals, andere vermissen wichtige liturgische Texte wie den Canon Romanus. Berücksichtigt man die deutsch-lateinischen Parallelfassungen wichtiger Texte und Gebete wird man im Vergleich zum Vorgängerbuch sogar von einer Stärkung der lateinischen Liturgie sprechen können. Der beibehaltene Name des neu gestalteten Gebet- und Gesangbuchs verrät zudem, dass man dieses Erfolgsprojekt im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils unbedingt fortschreiben wollte. Die ehrwürdigen lateinischen Hymnen der Kirche haben ebenso Platz wie das neue geistliche Liedgut, ostkirchliche Klänge treffen auf die Gesänge aus Taizé. Aber auch der religiös Unmusikalische kann, wenn er ein literarisches Sensorium hat, leicht erkennen, welcher Schatz in den Liedern und Gebeten des Gotteslobs verborgen ist. Es kommt ein Schiff geladen oder O Haupt voll Blut und Wunden zählen zu den bedeutenden Texten der deutschen Lyrik. Das Kirchenlied ist eine ihrer wenig beachteten Eigentümlichkeiten. Damit atmet das Gotteslob weit über binnenkirchliche Grenzen hinaus Kultur.

Das Gotteslob ist mehr als ein Gesangbuch

nischen Liedanzeiger auch, zum selbstverständlichen Kircheninventar geworden. In nicht wenigen Gemeinden wurde das gedruckte Buch sogar gegen einen modernen Beamer eingetauscht, der die Kirchenlieder kundenorientiert an die Wand des Gotteshauses projiziert. Wenn der Eindruck nicht täuscht, ist dabei vielerorts das Bewusstsein verloren gegangen, dass das Gotteslob auch ein Gebet- und Meditationsbuch sein will. Damit wird eine typisch katholische Tradition fortgeschrieben, die sich seit der Aufklärung durchgesetzt hat. Die evangelische Tradition fühlt sich dagegen mehr dem reinen Gesangbuch verpflichtet, wie dies etwa das Evangelische Gesangbuch (1993) bis heute dokumentiert. Im Chor der konfessionellen Gesangbücher zeichnet sich das Gotteslob daher durch seine umfangreichen Hilfestellungen für das persönliche Gebet und die gottesdienstlichen Feiern aus. Die im katholischen Bereich charakteristischen Tendenzen von Belehrung und Praxisnähe spiegeln sich auch in der Struktur des aktuellen Gotteslobes wider. Auch wenn die Neuausgabe wieder mehr Ordnung bringt (die Lieder werden nun in einem einzigen Bereich zusammengeführt), bleibt sie dennoch dem funktionalen Buchtyp verpflichtet. Im Unterschied zum Vorgängermodell (6 Kapitel) besteht das Gotteslob nunmehr aus drei Hauptteilen: I. Geistliche Impulse für das tägliche Leben; II. Psalmen, Gesänge und Litaneien mit dem eigentlichen Liedteil; III. Gottesdienstliche Feiern. (Anschließend folgt der Diözesan- bzw. Regionalteil.) Dahinter ist nun ein klares theologisches Konzept erkennbar, das die Bedeutung der Hl. Schrift im Kontext der Liturgie besser hervorhebt: Zuerst hört die Gemeinde das Wort Gottes, um dann mit Gebet und Gesang zu antworten. Abgeschlossen wird das Buch mit einem breiten Spektrum an gottesdienstlichen Feiern. [...]


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