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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Editorial
DIE EINE KIRCHE – GLAUBE UND WIRKLICHKEIT
Im großen Glaubensbekenntnis, das in jeder Sonntagsmesse gebetet oder gesungen werden soll, bekennen wir unseren Glauben an «die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche». Das kürzere und ältere Apostolische Glaubensbekenntnis, das wir öfter beten, macht sich die Sache noch einfacher. Es bekennt nur den Glauben an «die heilige katholische Kirche» und setzt voraus, dass es nur eine Kirche gibt. Angesichts der Wirklichkeit, die uns vor Augen steht, erscheint dieses Bekenntnis zur Einheit der Kirche noch unglaubwürdiger als das Bekenntnis zu ihrer Heiligkeit. Neben der römisch-katholischen Kirche, die selbst schon verschiedene Riten umfasst, gibt es zahlreiche orthodoxe autokephale Nationalkirchen mit eigenem Oberhaupt, verschiedene altorientalischen Kirchen und eine Vielzahl von aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften.

Das Problem hat sich im Lauf der Geschichte zweifellos verschärft; doch es bestand schon in der Urzeit des Christentums. Für Paulus war es zwar selbstverständlich, dass es nur einen Leib und eine Braut Christi geben konnte. Diese Einheit der Kirche führt der Epheserbrief emphatisch auf die Einheit Gottes selbst zurück: «Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alle und in allem ist» (Eph 4, 4–6). Und doch hat Paulus auch eine Vielzahl von Kirchen vor Augen. Er selbst hat in vielen Städten eine Kirche mit ihren Ältesten gegründet, und er gebraucht das Wort «Kirche» (ekklesia) unbesorgt bald in der Einzahl bald in der Mehrzahl. Mehr noch: Er war von Anfang mit Spannungen, um nicht zu sagen Spaltungen in der Kirche konfrontiert, grundlegend zwischen Judenchristen und Heidenchristen und, schuldbeladener, zwischen Parteiungen in der gleichen Ortskirche. Schon in der ganz jungen Gemeinde von Korinth gab es drei Parteien: eine Pauluspartei, eine Apollospartei und erstaunlicherweise auch eine Kephas(Petrus)partei. Man wird ohne Übertreibung sagen können, dass Paulus seine Briefe zum großen Teil als Mahnung zur kirchlichen Einheit schrieb.

Heute beinhaltet der Glaube an die eine Kirche vordringlich das ökumenische Problem, die vielen auseinander strebenden Kirchen zur Einheit zurückzuführen. Nicht zufällig hat sich das II. Vatikanische Konzil im Ökumenismusdekret Unitatis redintegratio noch eingehender über die Einheit der Kirche geäußert als in der Kirchenkonstitution Lumen gentium. Dort nahm es die Einheit der Kirche als etwas Selbstverständliches an und hat festgestellt, dass «die einzige Kirche Christi […] fortbesteht (subsistit) in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird» (LG 8). Damit soll jedoch anderen Kirchen ein echtes Kirchesein nicht abgesprochen werden, weil sich in ihnen «vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit finden, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen» (ebd.).

So lag es nahe, dieses Heft über die Einheit der Kirche mit einem Beitrag des Ökumeneverantwortlichen, Kardinal Kurt Koch, zu eröffnen. Ihm steht die Einheit der Kirche vor Augen, aber er weiß auch, dass heute unter den vielen Kirchen nicht einmal Einigkeit besteht über das Wesen der anzustrebenden Kircheneinheit. Koch versteht deshalb die Einheit der Kirche als eine Aufgabe, die letztlich nur im Heiligen Geist und im Gebet zu lösen ist.

Die Kircheneinheit anzustreben, ist nicht nur eine Aufgabe für die von Rom (noch) getrennten Kirchen; sie obliegt auch der katholischen Kirche. Der Lösung dieser Aufgabe sind die nachfolgenden Beiträge des Heftes gewidmet. Im Lauf der Geschichte hat sich das Papstamt, in der Nachfolge des hl. Petrus, immer stärker als Garant der kirchlichen Einheit herauskristallisiert. Im I. Vatikanum hat diese Bewegung ihren Höhepunkt erreicht mit der Definition des Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit. Damit ist zwar die Einheit der katholischen Kirche fast unauslöschlich festgeschrieben (obwohl Modernismus und Antimodernismus und die Piusbruderschaft gezeigt haben, dass es auch anders geht); doch die päpstliche Quasi-Monarchie hat auch die Einheit der katholischen mit den andern christlichen Kirchen erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht.

Das II. Vatikanum versuchte deshalb die (unbeabsichtigte) Einseitigkeit des I. Vatikanum zu korrigieren und zu ergänzen durch die Hervorhebung des Bischofskollegiums, der bischöflichen Kollegialität und der Gemeinschaft (communio) unter den Ortskirchen. Das Papsttum selbst scheint einen Weg der Selbst-Refom eingeschlagen zu haben (Jan-Heiner Tück). Papst Johannes Paul II. hat in Ut unum sint die andern Kirchen eingeladen, über mögliche andere Formen der Ausübung des Primats nachzudenken; Papst Benedikt hat mit seinem Verzicht auf die Amtsausübung ein zukunftsträchtiges Zeichen gesetzt, und Papst Franziskus, der sich emphatisch «Bischof von Rom» nennt (Günther Wassilowsky), bemüht sich offensichtlich um eine sinnvolle Dezentralisierung. Mit diesen Bemühungen wird das Papsttum wieder näher an seine biblischen Ursprünge herangeführt, wo Petrus nur im «Gefüge» von Maria, Johannes und Jakobs richtig verstanden werden kann (Christian Stoll).

Konkret wird diese Selbst-Reform des Papsttums zu einem Ausgleich zwischen Primat und Synodalität führen müssen. Vorzüge und Gefahren der ostkirchlichen Synodalität (Ioan Moga) könnten dabei hilfreiche Hinweise geben, und in den Bischofskonferenzen, die zwar keine Synoden sind, besitzt die katholische Kirche jetzt schon einen Lernort für bischöfliche Kollegialität und Communio (Peter Henrici). Die hier vorgelegten Schlaglichter auf die eine Kirche – beileibe nicht die einzig möglichen – möchten, wie schon die Hefte über die Kirche in den drei vergangen Jahren, ein Verständnis für die Einsicht wecken, mit der der Katechismus der katholischen Kirche seine Ausführungen über «Das Mysterium der Kirche» eröffnet: «Die Kirche steht in der Geschichte, gleichzeitig aber auch über ihr. Nur ‹mit den Augen des Glaubens› [...] vermag man in ihrer sichtbaren Wirklichkeit auch eine geistige Wirklichkeit wahrzunehmen, die Trägerin göttlichen Lebens ist» (770).
Peter Henrici



In den Perspektiven dokumentieren wir den letzten Brief des Philosophen Hans Blumenberg sowie einen Beitrag von Uwe Wolff über die wenig bekannten katholischen Wurzeln seines Denkens. Möglicherweise muss das vorherrschende Bild der Blumenberg-Rezeption partiell revidiert werden. Der Philosoph, der einer weiteren Leserschaft vor allem als Verfasser der «Legitimität der Neuzeit» bekannt ist, hat die Neuzeit auf einen Akt der humanen Selbstbehauptung gegenüber dem Absolutismus eines nominalistischen Willkürgottes gedeutet. Später hat er in der «Matthäuspassion» in weit ausholenden Überlegungen gängige theologische Motive dekonstruiert und die Frage aufgeworfen, ob das Weltabenteuer Gottes auf Golgotha nicht endgültig gescheitert sei. In einem Aphorismus hat er einmal bemerkt: «Der fromme Atheist ist einer, der daran leidet – und an nichts mehr leidet als daran –, Gott nicht existieren lassen zu können».

Dass Blumenberg der Sohn eines Lübecker Devotionalienhändlers ist, dass er nach dem Abitur Priester werden wollte und einige Semester katholische Theologie studiert hat, oder dass er sich mit der Kreuzestheologie Hans Urs von Balthasars beschäftigt hat, ist hingegen kaum bekannt.

Der Philosoph Robert Spaemann legt in einem Essay eine Neuinterpretation der eucharistischen Wandlung vor, die auf den Begriff der Transsubstantiation verzichtet. Werner Löser schließlich aktualisiert den Versuch Hans Urs von Balthasars, die geistige Situation der Neuzeit durch Rückgriff auf mythische Gestalten (Prometheus, Dionysos, Sisyphos) zu beschreiben.
Die Redaktion

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