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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
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Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Leseprobe 2
Peter Henrici
DIE BISCHOFSKONFERENZEN
Ihr zukunftsträchtiger Beitrag zur Einheit der Kirche
Die Einheit der Kirche wird nicht durch den Papst allein garantiert, sondern durch das Bischofskollegium «mit dem Papst und unter dem Papst». Der Papst garantiert die Kircheneinheit als Haupt und Bezugspunkt des Bischofskollegiums. Als Bischof von Rom ist er seinen bischöfl ichen Mitbrüdern gleichgestellt, so wie auch Petrus ein Apostel wie die andern war. Er hat jedoch von Jesus die besondere Aufgabe erhalten, für den Zusammenhalt des Zwölferkreises zu sorgen und «seine Brüder im Glauben zu stärken» (Lk 22, 32).

1. Die Kollegialität der Bischöfe

Die Einheit der Kirche ist somit weder die eines Monolithen noch die eines zentralistischen Staates. Schon die ältesten Texte stellen sie vielmehr als einen Organismus dar, den «Leib Christi», in dem jeder Teil mit seiner besonderen Funktion zum Wohl des Ganzen beiträgt. Paulus schreibt dieses Zusammenwirken zunächst dem Heiligen Geist zu (1 Kor 12, 4.12–14); doch er weiß auch, dass er in Einheit mit Petrus und den andern Aposteln handeln muss, «um nicht vergeblich zu laufen oder gelaufen zu sein» (Gal 2, 1–10).

Die theologische Lehre von der Kirche hat mit diesem Kirchenverständnis lange Zeit Mühe gehabt. An politischen Gesellschaftsmodellen orientiert, hat sie in der Neuzeit in erster Linie die Einheit betont und eine gewisse Verschiedenheit bestenfalls toleriert. Zu diesem zentralistischen Kirchenverständnis mögen die schlechten Erfahrungen im Lauf der Geschichte beigetragen haben. Die Bindung an verschiedene Staaten und Kulturen führten schon früh zu Kirchenspaltungen. Gegen Ende des Mittelalters trugen sogar die Päpste und Gegenpäpste mehr zu Streitigkeiten als zur Kircheneinheit bei. Erst dem Konzil von Konstanz, dessen 600-Jahr Jubiläum wir dieses Jahr feiern, ist es gelungen, das Papsttum als Dienst an der Kircheneinheit wieder herzustellen. Das I. Vatikanische Konzil hat dann zur Abwehr massiver Angriffe auf Kirche und Papsttum das zentralistische Kirchenverständnis sozusagen notgedrungen auf die Spitze getrieben. Es hat den Jurisdiktionsprimat des Papstes definiert und die päpstliche Unfehlbarkeit bei Definitionen «ex cathedra». Gegen den Willen des Konzils ist es bei dieser einseitigen Hervorhebung des Papsttums geblieben, weil seine Beratungen vorzeitig abgebrochen werden mussten, als die Truppen Garibaldis Rom besetzen und bald darauf der deutsch-französische Krieg ausbrach.

Das II. Vatikanum wollte deshalb die Lehre von der Kirche ergänzend ausgleichen. Es hat ein anderes, älteres Kirchenbild vorgelegt: das Modell der einen Kirche aus vielen Einzelkirchen (ecclesiae particulares), deren jede unter der Leitung ihres Bischofs steht. Die Einheit der Kirche besteht somit in der geschwisterlichen Gemeinschaft (communio) dieser Kirchen untereinander und als letztes Kriterium mit der Kirche von Rom. Garant dieser Verbundenheit der Kirchen ist das Bischofskollegium unter dem Vorsitz des Papstes, dem als Nachfolger des Apostels Petrus in besonderer Weise die Sorge für die Einheit anvertraut ist. Mit diesem Kirchenbild hat das Konzil die nachkonziliare Kirche vor eine doppelte Aufgabe gestellt. Einerseits muss theoretisch das Verhältnis zwischen Kollegialität und Primat, zwischen Bischöfen und Papst theologisch weiter geklärt und vertieft werden. Schon auf dem Konzil wurde darüber heftig diskutiert, um nicht zu sagen gestritten. Diese Aufgabe ist um so dringlicher, als sie auch einen, wenn nicht den Schlüssel zur ökumenischen Einheit der Kirchen bildet. Auf der andern Seite steht die praktische Aufgabe, den seit dem I. Vatikanum ausufernden römischen Zentralismus zurückzubauen zugunsten einer dezentralisierteren Kirchenleitung in Verantwortung der «mit und unter dem Papst» kollegial verbundenen Bischöfe. Wie lässt sich die Einheit der Kirche praktisch wahren durch die geschwisterliche Gemeinschaft, die Communio der Einzelkirchen und ihrer Bischöfe? Es wird sich zweifellos um eine «katholische» Einheit, eine Einheit in Verschiedenheit handeln müssen, bei der die Begegnungen und die Zusammenschlüsse der Bischöfe untereinander, Synoden und Bischofskonferenzen, eine wichtige Rolle zu spielen haben.

Die letzten Päpste haben denn auch regelmäßig Bischofssynoden einberufen, um der Mitverantwortung der Bischöfe Raum zu geben. Doch so wie diese Synoden bisher organisiert waren, erschienen sie eher als ein Ausdruck guten Willens als ein wirksames Instrument gelebter Communio und Kollegialität. Nur die vom Papst allein verantworteten nachsynodalen Schreiben haben tatsächlich zur Gestaltung des kirchlichen Lebens beigetragen. Anders organisiert könnten die Bischofssynoden jedoch zu einem wichtigen Ort echter Communio und Kollegialität werden. [...]


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