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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Editorial
Hans Maier
GLOBALE VERFOLGUNG
Christenverfolgung – das schien bis vor kurzem noch ein rein historisches Stichwort zu sein: in erster Linie auf das Römische Reich bezogen, auf die Kaiser vor Konstantin, welche die junge Gemeinschaft der «Christianer» (die man lange für eine jüdische Sekte hielt) in den ersten Jahrhunderten mit Pogromen, Prozessen und grausamen Tötungen überzogen. In zweiter Linie hatten die Historiker die modernen Totalitarismen im Auge: einmal die Verfolgungen im kommunistischen Machtbereich von 1917 an, die sich unter der Herrschaft Stalins zum Exzess steigerten, dann im Zweiten Weltkrieg vorübergehend gedämpft wurden, nach 1945 aber wieder aufflammten; sodann die gegen bekennende Christen gerichteten Attacken der Nationalsozialisten nach 1933, die gleichfalls im Krieg in der Breite bis zur «Endabrechnung» zurückgestellt wurden, jedoch gegen zahlreiche Einzelne mit aller Härte weitergingen. «Die Konzentrationslager, vor allem Dachau, zählten Tausende von Opfern der Kirchenverfolgung» (Rudolf Grulich).

Das war Geschichte, so schien es. In der heutigen Welt jedoch droht Christenverfolgung ganz unhistorische Gegenwart zu werden. Viele Menschen werden wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt – man denke an Syrien und den Irak, an China, Nordkorea, an erhebliche Teile Afrikas und Indiens. Das Neue liegt darin, dass sich die Verfolgungen inzwischen auf große Gebiete der gesamten heutigen Welt ausgeweitet haben. Es handelt sich um ein – nahezu – globales Geschehen. Von den mehr als zwei Milliarden Christen werden heute nach glaubhaften Schätzungen rund 10 Prozent benachteiligt, diskriminiert, verfolgt.

Dieses COMMUNIO-Heft ist vor allem den Christenverfolgungen des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet. Es greift jedoch auch auf frühere Verfolgungen zurück. Und es betrachtet die Verfolgungen im größeren Horizont der heute weltweit angefochtenen und gefährdeten Religionsfreiheit. Mit Recht sagte Papst Franziskus vor kurzem vor den Teilnehmern der «Religious Freedom Conference» in Rom, es sei «inakzeptabel», dass es auch heute noch regelrechte Verfolgungen aufgrund der Religionszugehörigkeit gebe. Was kann von staatlicher wie von kirchlicher Seite getan werden, um Christen – aber auch Gläubige aller Religionen – vor Verfolgung zu schützen?

Hans Maier untersucht in seinem Beitrag die paradoxe Entwicklung der Religionsfreiheit im internationalen Recht. Enthielt die UNO-Deklaration von 1948 noch das ausdrückliche Recht, «die Religion zu wechseln», so triff t man dieses Recht im Internationalen Pakt für bürgerliche und politische Rechte von 1966 nicht mehr an. Daher müssen diejenigen, die es für sich in Anspruch nehmen wollen, in der gegenwärtigen Welt oft um Leib und Leben fürchten, vor allem dann, wenn sie beabsichtigen, aus anderen Religionen zum Christentum überzutreten. Kann das Recht zur Konversion als international gültiges Grundrecht in der Gegenwart wieder hergestellt werden? An der Dringlichkeit einer Lösung dieser Frage besteht kein Zweifel.

Volker Kauder hebt hervor, dass «die Zahl der Länder, in denen Menschen aus religiösen Gründen Gewalt angetan wird», in jüngster Zeit «einen erneuten Höchststand erreicht» hat. Die zivilisatorische Macht der Toleranz – und die aus ihr folgende strikte Forderung nach Religionsfreiheit – haben nach seiner Beobachtung an Kraft verloren. Daher ist es von Bedeutung, dass in Deutschland im Koalitionsvertrag der Großen Koalition der Einsatz für die Religionsfreiheit betont und besonders auf den Nahen Osten bezogen wird; die deutsche Außenpolitik «müsse sich dafür einsetzen, dass christliches Leben im Nahen Osten möglich bleibt».

Verfolgung und Martyrium im frühen Christentum untersucht Andreas Merkt. Auch wenn die Zahl christlicher Märtyrer nach neueren Forschungen wohl kleiner war als früher angenommen, so haben sie doch das kollektive Gedächtnis der Christenheit geprägt, vor allem durch die Märtyrerfeste, die in ständiger Wiederkehr zu einem wichtigen Element der Liturgie und des Kirchenjahres wurden. Die Verfolgungen veränderten auch das Bild der Kirche selbst: erstmals wurde die Bewährung im Glauben, aber auch der Glaubensabfall und die spätere Behandlung der «Gefallenen» (lapsi ) zu einem kollektiven Problem, dem theologische Reflexionen galten.

Einem modernen «Märtyrer der Treue zum Gewissen», Franz Reinisch, widmet Heribert Niederschlag seine Betrachtung. Reinisch hat als einziger katholischer Priester den Fahneneid auf Hitler verweigert. Er war der Überzeugung, dass man nicht zugleich Christ und Nationalsozialist sein könne. Nach der Seligsprechung von Franz Jägerstätter dürfte das kürzlich für Reinisch eröff nete Seligsprechungsverfahren erneut zeigen, wie wichtig, ja ausschlaggebend Gewissensentscheidungen für das Glaubenszeugnis der Kirche sind. [...]


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