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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
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Leseprobe 3
Marc Kardinal Quellet
EHE UND FAMILIE IM RAHMEN DER SAKRAMENTALITÄT DER KIRCHE
Herausforderungen und Perspektiven
Die kommende außerordentliche Bischofssynode zum Thema der Familie weckt in der Kirche ein beispielloses Interesse, sowohl aufgrund der gravierenden Dringlichkeit der pastoralen Probleme als auch aufgrund der Hoffnungen und Erwartungen, die in den vorbereitenden Konsultationen deutlich werden. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil zählte in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes Ehe und Familie an vorderster Stelle zu den dringenden Fragen unserer Zeit. Seit der Veröffentlichung der Enzyklika Humane Vitae, der Synode von 1980 über die Familie und dem gesamten Pontifikat Johannes Pauls II. hat die Kirche mit wachsender Besorgnis die Veränderung der Sitten und der Mentalität zur Kenntnis genommen, die sich vor allem im Westen von der biblischen Offenbarung und der christlichen Tradition entfernen.

Papst Franziskus hat die Sendung der Kirche in der zeitgenössischen Welt mit einem «Feldlazarett» verglichen, das sich um die vielen Verwundeten auf dem Schlachtfeld kümmert und ihre Wunden verbindet. Das Bild beschreibt sehr gut die Situation von Ehe und Familie, die sich seit einigen Jahrzehnten erheblich verschlechtert hat, und das nicht nur auf der Ebene des gelebten Ehelebens, sondern auch von Seiten einer Gesetzgebung, die den traditionellen Werten der Institution Familie widerspricht und von Pressure-Groups gefördert wird, die eine vorherrschende relativistische Denkweise vertreten. Gegenwärtig wird das ganze Ausmaß des Phänomens erkennbar: die Komplexität der Ehesituationen, die Langsamkeit des juristischen Prozedere zur Untersuchung hinsichtlich der Gültigkeit der Eheschließung, das Beispiel der orthodoxen Tradition und die inoffiziellen Regelungen, die sich aufgrund von pastoralen Erwägungen verbreiten. Hinzu kommt die Welle der Hoffnung, die die Verkündigung von Papst Franziskus ausgelöst hat. All diese Faktoren machen von Seiten der Hirten eine vertiefte Reflexion und kreative Initiativen erforderlich, die eine Antwort auf die neuen Herausforderungen der Evangelisierung geben.

Ich teile diese Hoffnung und diese Überzeugung und glaube auch, dass der Heilige Geist uns in der gegenwärtigen Diskussion Wege zur Erneuerung in Treue zur katholischen Tradition zeigen wird. Tradition heißt nicht Immobilität, sondern vielmehr Vorangehen eines lebendigen Organismus, der sich verändert, ohne seine Identität zu verlieren.

Daher glaube ich, dass eine erneuerte Ehe- und Familienpastoral das Erbe des Konzils und die sachgerechte Konzilshermeneutik, wie sie der selige Johannes Paul II. erarbeitet hat, besser bekannt machen muss. Das Konzil hat die Grundlagen gelegt für eine neue Sicht der Sakramententheologie, ausgehend von einem erweiterten Sakramentenbegriff, der analog auf die Kirche angewandt wird. Diese grundlegende Sichtweise erneuert die Beziehung zwischen den sieben Sakramenten und der Kirche, insbesondere im Hinblick auf Ehe und Familie. Deshalb müssen wir wie auf dem Konzil neu von Christus, dem Licht der Völker, ausgehen, um nicht nur die Familienpastoral, sondern die gesamte kirchliche Pastoral ausgehend von der Familie zu überdenken.

Mein Beitrag wird diese veränderte Perspektive in der Sakramententheologie aufgreifen und die organische Verbindung zwischen dem Ehesakrament und der Sakramentalität der Kirche genauer darlegen. Abschließend werde ich im Kontext einer erneuerten Pastoral der Barmherzigkeit, die mit der Unauflöslichkeit der Ehe kompatibel ist, auf einige Kriterien für die Ungültigkeit der Eheschließung hinweisen.

1. Das Zweite Vatikanum und der ekklesiologische Wendepunkt in der Sakramententheologie

Die katholische Tradition beschreibt die sieben Sakramente als «Mittel des Heils», die dem Menschen die Gnade Christi mitteilen. Der heilige Thomas von Aquin erklärt die Logik der Sakramente ausgehend von den Stadien und Situationen des menschlichen Lebens: Geburt, Wachstum, Nahrungsaufnahme, Lebensstand, Versöhnung, Krankheit und Tod. Diese reichhaltige Sichtweise wurde in der Moderne reduziert, weil die Gnade immer mehr als übernatürliche Verdoppelung der Natur gesehen wurde, zuweilen sogar ohne intrinsische Beziehung zu Christus, es sei denn als Wirkursache.

Man hat sich daran gewöhnt, die Sakramente anthropozentrisch zu sehen, in ihrer Funktion für die individuellen menschlichen Bedürfnisse und ohne organische Verbindung mit der Kirche, es sei denn als Bedingung für die Zugehörigkeit zur von Christus gestifteten Institution. [...]


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