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Editorial
Peter Henrici
EINE ALTE AUFGABE NEU BEDENKEN
«Mission» ist heute fast zum Unwort geworden, «Apologetik» ebenfalls. Missionieren ist verpönt, und apologetisches Reden kaum weniger. Beides gilt als politisch unkorrekt; es missachte die Meinung des Anderen, gefährde die Religions- und Gewissensfreiheit und betrachte die eigene Religion als die einzig wahre. Und doch ist heute, wo mehr Christen als je verfolgt und vertrieben werden, eine Verteidigung des Christentums und die Verkündigung des Evangeliums vielleicht noch dringlicher als in früheren Zeiten. Die von den beiden «Unworten» bezeichnete Aufgabe bleibt deshalb bestehen, nur hat man dafür neue, politisch korrektere Namen eingeführt: «Neue Evangelisierung» und «Fundamentaltheologie». Doch decken diese neuen Namen die alte Aufgabe wirklich ab?

Das vorliegende Heft versucht, diese Frage für die christliche Apologetik zu beantworten. Dass die Fundamentaltheologie nur einen Teil der Aufgaben der alten Apologetik abdeckt, ist für jeden Sachverständigen leicht ersichtlich. Auch sie hat es zwar mit einer Darlegung der Glaubwürdigkeit des Christentums zu tun; doch sie wendet sich in erster Linie an gläubige Christen, namentlich an künftige Theologen. Seit Beginn des Christentum wandte sich jedoch das, was später Apologetik genannt wurde, an Menschen, die den christlichen Glauben noch nicht kannten oder ihn gar ablehnten und bekämpften. Gerade diese Adressatengruppe ist heute größer und aktueller denn je. Die allgemeine Tendenz zur Säkularisierung und Wissenschaftsgläubigkeit erklärt jeden religiösen Glauben als unzeitgemäß, und auf der andern Seite lässt die Vielzahl der Weltreligionen das Christentum bestenfalls als eine Religion unter andern erscheinen. In dieser globalen Situation verwundert es nicht, dass nicht wenige Christen in ihrem Glauben verunsichert sind oder damit nicht mehr viel anzufangen wissen.

So finden wir uns heute in einer ähnlichen Situation wie einst das kleine Grüppchen der ersten Christen im weiten und ihnen oft feindlich gesinnten Römerreich. Was wir von ihnen lernen können im Umgang mit unserer Umwelt, versuchen einige der folgenden Beiträge zu zeigen. Jean-Luc Marion weist auf den Unterschied der altchristlichen Apologien gegenüber der späteren Schul-Apologetik hin und auf die geistige Haltung, von der jede Apologie auch heute noch getragen sein muss. Der Beitrag von Knut Backhaus, der das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte als Apologie gegenüber dem übermächtigen Römischen Kaiserreich liest, zielt untergründig ebenfalls auf die heutige Situation ab. Ausdrücklicher liest der Patristiker Michael Fiedrowicz die Apologien der Kirchenväter auf einem Hintergrund, der dem unserem fast zum Verwechseln ähnlich sieht.

Peter Henrici versucht, den historischen Bogen nachzuzeichnen, der von jenen Apologien über die Schul-Apologetik zur heutigen apologetischen Situation geführt hat. Vincent Holzer und Thomas Brose stellen zwei komplementäre Beispiele für eine zeitgemäße Apologie vor: Holzer weist auf Hans Urs von Balthasars unapologetische Apologie hin, Brose berichtet von seinem eigenen Erleben im (nach)kommunistischen Umfeld. Vieles und viele andere hätten hier noch aufgeführt werden können. Schließlich waren einige der Hauptakteure des II. Vatikanischen Konzils einer Apologie in erneuerter Gestalt verpflichtet: Henri de Lubac, Yves Congar, Karl Rahner, Joseph Ratzinger, Hans Küng ... Mit seinen großen Texten Dei Verbum und Gaudium et Spes hat sich das Konzil in ihre Linie gestellt.

Aus den vorgelegten Überlegungen geht nicht nur hervor, dass eine Apologie des Christentums auch heute noch aktuell, ja unverzichtbar ist. Als Wegbereiterin für eine neue Evangelisierung bleibt sie unentbehrlich. Doch hat eine solche Apologie wohl weniger mit Vernunftbeweisen zu argumentieren, als vielmehr den christlichen Glauben liebenswert zu machen und aufzuzeigen, wie belangvoll und bereichernd er für das Menschsein des Menschen ist. Konkrete Modelle einer solchen zeitgemäßen Apologie legt dieses Heft nicht vor; es will vielmehr einen Weg zu ihrer Ausarbeitung zeigen, indem es zu weiteren Überlegungen anregt.

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