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Professor für dog-
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Leseprobe 2
Jan-Heiner Tück
«DER VATER WÄRE OHNE DEN SOHN NICHT VATER»
Zur Revolution des Gottesbegriffs auf dem Konzil von Nicaea 325
Christoph Kardinal Schönborn zum 70. Geburtstag

Man kann den arianischen Streit um die Gottheit des Sohnes zugleich als Kontroverse um die Frage lesen, ob Gott wirklich Vater genannt zu werden verdient oder nicht. Wenn nämlich der Sohn ein Geschöpf ist und durch einen unüberbrückbaren Abgrund von der Transzendenz Gottes getrennt ist, wie Arius gelehrt hat, dann kann Gott allenfalls im Modus bildlicher Rede Vater genannt werden – so wie in anderen Zusammenhängen der Schöpfergott auch als «Vater aller Dinge» bezeichnet werden kann. Wenn Gott hingegen den Sohn von Ewigkeit her zeugt und der Sohn nicht nur aus dem Willen, sondern aus dem Wesen des Vaters stammt, wie das Konzil von Nicaea definiert hat, dann hat die Rede von Gott, dem Vater, ein theologisches Fundament. Der Vater ist Vater, weil es den Sohn gibt und dieser selbst schon immer in die Wirklichkeit Gottes hineingehört. Athanasius von Alexandrien, der Vorkämpfer der nicaenischen Orthodoxie, hat in diesem Sinne klar betont, dass mit der Entscheidung des Konzils von Nicaea für die Gottheit des Sohnes zugleich der Vatertitel vor einer Abschwächung in die uneigentliche Rede bewahrt wird: «Der Vater wäre ohne den Sohn nicht Vater.

Um die arianische Kontroverse in diesem Lichte zu beleuchten, sei in einem ersten Schritt die Position des Arius kurz in Erinnerung gerufen. Sein theologisches Anliegen, die Einheit Gottes begrifflich zu wahren, führt ihn dazu, den Sohn Gott radikal unterzuordnen und auf die Seite der Geschöpfe zu stellen. Dieser Subordinatianismus hat einen doppelten Preis: zum einen relativiert er den Glauben an den menschgewordenen Sohn, der den Menschen das wahre Antlitz Gottes zeigt. Gott bleibt der Unzugängliche, der Transzendente; zum anderen wird die Rede von der Vaterschaft Gottes ins Bildliche zurückgenommen, wenn der Sohn nicht immer schon beim Vater ist, sondern erst zu einer bestimmten Zeit geschaffen wird. Die Lehre des Arius hat daher Widerspruch auf den Plan gerufen. Auf dem Konzil von Nicaea, das Kaiser Konstantin im Jahr 325 einberufen hat, wurde dem arianischen Subordinatianismus die Lehre von der «Gleichwesentlichkeit» zwischen Vater und Sohn entgegengesetzt. Die Konzilsentscheidung von Nicaea, die antiarianische Einschübe in ein Glaubensbekenntnis einfügt, hat dem Kerygma der Kirche eine verbindliche Gestalt gegeben: der Sohn gehört auf die Seite Gottes, er ist wirklich Gott. Diese Entscheidung sei daher in einem zweiten Schritt kommentiert. Der Rückgriff auf einen nichtbiblischen Begriff – den Begriff der «Homousie» – markiert einen entscheidenden Einbruch der griechischen Wesensterminologie in die lehramtliche Sprache. Dieser Vorgang hat bis heute anhaltende Kritik provoziert: das Evangelium sei durch die ontologische Sprache verfremdet, der christliche Glaube durch die Wesensterminologie hellenisiert worden. Abschließend seien daher einige Bemerkungen zum Hellenisierungsvorwurf angefügt.

1. «Solange der Sohn nicht ist, ist Gott nicht Vater»: Der Subordinatianismus des Arius

Die Inkulturation des Evangeliums in den hellenistischen Denk- und Verstehenshorizont verlangt Übersetzungsleistungen, die den biblisch bezeugten Ursprung in eine neue Aussageform bringen. Mit Arius, der als Prediger und Exeget in Alexandrien wirkte, gelangt die Inkulturation des Evangeliums allerdings in ein kritisches Stadium. Er versucht den Glauben an Jesus Christus dadurch als zeitgemäß zu erweisen, dass er seiner Christologie das kosmologische Schema des Mittleren Platonismus ohne Vorbehalte zugrunde legt. Dieses Schema unterscheidet im Sinne einer dreifachen Stufung (1) zwischen dem göttlichen Einen, das radikal transzendent ist; (2) dem Schöpfungsmittler oder Demiurgen, aus dem alles, was ist, hervorgeht, und (3) der Vielfalt des materiellen Seins. Arius übernimmt dieses kosmologische Schema und identifiziert die erste Dimension mit Gott, dem er die Attribute der Einheit, Unveränderlichkeit und Transzendenz zuschreibt. Ein Abgrund trennt diesen vom Logos, dem Sohn, der ihm – wie der Schöpfungsmittler und Demiurg – radikal untergeordnet ist: «Der Vater ist dem Sohn wesensfremd, da er ohne Ursprung west. Wisse, dass die Einheit war, die Zweiheit aber nicht war, bevor sie ins Dasein trat. Solange der Sohn nicht ist, ist der Gott nicht Vater.» Dem Sohn kommt nach Arius keine Ewigkeit zu, er gehört in den Bereich der Schöpfung. [...]


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