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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

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Leseprobe 3
Robert Vorholt
SEHEN UND ERBARMEN
Der Blick Jesu im Spiegel des Lukasevangeliums
Das Lukasevangelium profiliert – im Anschluss an seine markinische Vorlage, aber deutlicher als Matthäus – eine Theologie des Weges Jesu. Es sind nicht einfach nur geographische Routen, die nachgezeichnet werden, um die im Evangelium geschilderten Begebenheiten der Jesusgeschichte wie Perlen einer Kette an ihnen aufzuhängen. Im Gegenteil: Die Bahnen, auf denen Jesus wandelt, und auf denen ihm seine Jüngerinnen und Jünger folgen sollen, sind als solche bereits theologisches Programm. Lukas will zeigen, wie entschieden Gott in Jesus den Weg zu den Menschen wählt. Nichts daran ist dem Zufall geschuldet. Alles folgt einem ewigen Plan. Der Weg Jesu hat heilsgeschichtliche Bedeutung. Jesus geht ihn nicht blind, sondern sehenden Auges. Auch das ist keine narrative Petitesse. Der klare Blick Jesu, den Lukas über das ganze Evangelium hinweg immer wieder aufscheinen lässt, spiegelt das helle, unnachahmliche Licht Gottes, das ihn erfüllt und seine Sendung begründet.

1. Jesu Blick schafft Veränderung

Gleich zu Anfang skizziert Lukas in knappen Zügen wie Jesus Menschen in seine Nachfolge ruft. Zunächst fällt sein Blick auf einige Fischer, namentlich auf Simon Petrus und die Zebedäussöhne Jakobus und Johannes (vgl. Lk 5, 1–11). Von ihnen wird berichtet, dass sie – nachdem Jesus ihnen in staunenswerter Vollmacht begegnet – «alles verließen und ihm nachfolgten» (Lk 5, 11). Der Ruf Jesu in die Nachfolge beginnt mit seinem berufenden Blick. Vordergründig fällt er auf die normale Szenerie des Alltäglichen, auf «zwei Boote, die am Ufer liegen» und auf «Fischer, die ausgestiegen waren und ihre Netze wuschen» (Lk 5, 2), tiefergründig zielt er auf Menschen, deren Leben neue Richtung und edleren Sinn bekommt. Die paradigmatische Erzählung von der Berufung des Levi, die Lukas wenige Verse später folgen lässt (Lk 5, 27–32) verdeutlicht dies. Wieder ist es der Blick Jesu, der den Anfang von allem ausmacht.

Jesus «betrachtet» Levi, der an seiner Zollstation sitzt (Lk 5, 27). Das entsprechende Verbum findet im Neuen Testament nur selten Verwendung, im Lukasevangelium mit Bezug auf Jesus allein hier. Es bezeichnet ein nachdrückliches Augenmerk, eine aufmerksame Betrachtung. Jetzt gilt sie einem Zöllner, also jemandem, der der damaligen Staatsgewalt zur Übertragung von Zoll- und Steuerrechten hohe Pachtbeträge zu entrichteten hatte und deshalb nur durch die Erhebung entsprechender Aufschläge imstande war, die Gewinnzone zu erreichen. Dass er sich dadurch bei der Bevölkerung unbeliebt machte, liegt auf der Hand. Die Vorhaltungen reichen jedoch weiter. Insbesondere in pharisäisch-religiösen Kreisen, die die Heiligung des Alltags anstrebten, sah man in Zöllnern vornehmlich notorische Betrüger und veranschlagte sie durchgängig auf der Seite der Sünder. Jesus sieht das nicht grundsätzlich anders (vgl. Lk 5, 31f ). Nirgends steht geschrieben, dass er die Konturen verwischt und Sünde nicht länger Sünde nennt. Und doch verändert sein aufmerksames Hinschauen die Gemengelage. Der Mensch kommt in den Blick – als in Schuld- und Unheilszusammenhänge verstrickter Mensch, d.h. in all seiner Not und Erlösungsbedürftigkeit. Doch schon im Anschauen dieses Menschen beginnt die heilende und vergebende Zuwendung Jesu. Gerade sie ermöglicht den sich anschließenden Ruf in die Nachfolge (Lk 5, 27). Denn Nachfolge, die Jüngerschaft (Lk 14, 27.33) und das «hinter Jesus hergehen» (Lk 9, 23) umfasst, führt zur Teilhabe an der Wirklichkeit der Herrschaft Gottes (vgl. Lk 9, 61f ). So sehr sie Sache des Intellekts, des Willens und des konkret gelebten Lebens ist, so sehr und um so viel mehr ist sie eschatologische Entscheidung und heilsgeschichtlicher Lebenslauf , der aus Umkehr und Aufbruch hervorgeht.

2. Jesu Blick konzentriert die Liebe Gottes

Im siebten Kapitel des Lukasevangeliums bewegen sich zwei Züge aufeinander zu. Der eine – mit dem Katafalk eines jungen Mannes und seiner ihn beweinenden Mutter in der Mitte (vgl. Lk 7, 12) – ist ein Trauerzug, der andere – mit Jesus an der Spitze und seinen Jüngerinnen und Jüngern im Gefolge (vgl. Lk 7, 11) – ist ein Hoffnungsmarsch. Wo sich die beiden treffen, stoßen Tod und Leben aufeinander. Aber das Leben ist stärker als der Tod. Vermittelt wird es durch Jesus. Die Narration Lk 7, 11–17 gehört zum sogenannten lukanischen Sondergut. Die exegetische Wissenschaft treibt die Frage, weshalb Lukas seine Erzählung ausgerechnet an dieser Stelle, nach dem Heilungsbericht des todkranken Dieners eines Hauptmanns (Lk 7, 1–10) und vor der Begegnung Jesu mit zwei Jüngern des Täufers Johannes (Lk 7, 18–23), platziert. Das überzeugendste Argument entwickelt sich aus dem Duktus der Erzählung selbst: Weil die hymnische Antwort Jesu auf die Johannesfrage, dass nämlich «Tote aufstehen und Armen das Evangelium verkündet wird» (Lk 7, 22), nicht im luftleeren Raum ungedeckter Versprechungen hängen, sondern durch die voranstehende Totenerweckungserzählung von Nain aufgeladen werden soll. Denn um nichts Geringeres geht es: In Jesus ist Gott selbst zugegen. In dieser Vollmacht kann Jesus selbst Tote zum Leben erwecken. Das ist für Lukas keine Ansichtssache, sondern tiefe Glaubensüberzeugung. Doch auch hier ist der Blickwinkel Jesu von entscheidender Bedeutung.

Was Jesus zu sehen bekommt, ist die bitterste Realität vorösterlichen Lebens: Menschen müssen sterben, bisweilen vor der rechten Zeit (Ps 90, 10). Und die schmerzliche Trauer der Hinterbliebenen ist Folge dieses Stachels des Todes. Lukas zeichnet sein Bild in düstersten Farben: gestorben ist kein lebenssatter Greis, sondern ein junger Mann. Damit nicht genug: Er war der einzige Sohn seiner Mutter, die auch noch Witwe ist. Wesentlich tragischer kann ein Trauerfall kaum gedacht werden. Die Situation umfassender Trauer und Ohnmacht bildet zugleich den Kontrast zur Unheil überwindenden Wirkmacht Jesu, die Lukas hier mit nur zwei Versen (Lk 7, 13f ) machtvoll aufblitzen lässt und die ihren Anfang nimmt mit dem mitleidsvollen Blick des Herrn auf die Mutter des Verstorbenen: «Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sagte zu ihr: ‹Weine nicht!›» (Lk 7, 13). [...]


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