zur StartseiteZugang für Abonnenten
Startseite » Archiv » Ausgabe 3/2015 » Leseprobe 1
Titelcover der archivierte Ausgabe 3/2015 - klicken Sie für eine größere Ansicht
Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
Herausgeber und Redaktionsbeirat stellen sich vor.
Lesermeinung von
Anton SvobodaAnton Svoboda,
Dipl.-Theologe, Musiker

Lesen Sie hier
 
Ausgaben-Index 1972 bis heute
Chronologisch- thematische Liste aller Hefte von 1972-heute
Autoren-Index 1972 bis heute
Alphabetische Liste aller Autoren und Ihrer Artikel
<<< zur vorherigen Ausgabe zur nächsten Ausgabe >>>
Leseprobe 1
Hans-Ulrich Weidemann
«DER IN GOTTESGESTALT WAR»
Zur Theologie des Christuspsalms (Phil 2, 6–11)
«Habt unter euch das im Sinn, was auch in Christus Jesus (zu sinnen angemessen ist)» (Phil 2, 5). Mit diesen Worten leitet Paulus den sog. Christushymnus Phil 2, 6–11 ein. Aus den voranstehenden Versen 2, 1–4 wird deutlich, dass der Apostel in seiner Gemeinde gegenseitige Achtsamkeit und Dienen verwirklicht sehen will. Den anderen höher einschätzen als sich selbst, seine Interessen als die eigenen akzeptieren – dieses im Verhalten sich manifestierende «Sinnen» (φρονεῖν) entspricht laut Paulus dem Sein «in Christus Jesus». In diesen Zusammenhang platziert der Apostel das Wort ταπεινοφροσύνη (2, 3), das erst im 1. Jahrhundert n. Chr. belegt ist und von Autoren wie Josephus, Epictet und Plutarch rein negativ im Sinne von «Unterwürfigkeit» benutzt wird. Gegen eine Übersetzung des von Paulus zweifellos positiv gemeinten Begriffs mit «Demut» hat sich mit Recht Wolfgang Schenk gewandt. Paulus greift ihn deswegen auf, weil der folgende Christuspsalm davon spricht, dass Jesus Christus sich selbst niedrig machte (2, 8c: ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν). Diese Stichwortverbindung ist programmatisch: Was die Philipper als ταπεινοφροσύνη, also als ein «Sinnen» des ταπεινοῦν, verwirklichen sollen, erfahren sie konkret aus der folgenden poetischen Passage.

1. Die Form des Textes

Der sog. «Philipperhymnus» (2, 6–11) ist ein Paradebespiel dafür, wie sich Form und Inhalt eines neutestamentlichen Textes gegenseitig erhellen. Auch wenn in der Forschung nach wie vor kein Konsens darüber besteht, aus wessen Feder der von Paulus im Philipperbrief niedergeschriebene Text stammt und wie er im Hinblick auf seine Gattung zu bestimmen ist – unbestreitbar ist seine Gestaltung im Parallelismus membrorum, auch wenn deren exakte Bestimmung im Einzelfall unterschiedliche Deutungen zulässt. Da der Begriff des «Hymnus» vor allem aufgrund seiner antiken Verwendung mit verschiedenen Voraussetzungen besetzt ist, spricht man im Falle von Phil 2, 6–11 besser von einem «Christuspsalm» oder allgemeiner von «Christuslob».

Christus Jesus,
I a der in Gottesgestalt (μορφῇ θεοῦ) war, 6a
a‘ hielt das Gottgleichsein nicht für einen Raub, 6b
b sondern er machte sich selbst leer (ἑαυτὸν ἐκένωσεν) 7a
b‘ indem er Sklavengestalt (μορφὴν δούλου) annahm. 7b

c In Gleichgestalt (ἐν ὁμοιώματι) von Menschen geworden 7c
c‘ und der Erscheinung nach erfunden als Mensch, 7d
d erniedrigte er sich selbst (ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν), 8a
d‘ indem er gehorsam wurde bis zum Tod 8b
d‘‘ - ja, bis zum Tod am Kreuz! 8c

II a Darum hat Gott ihn auch über-erhöht 9a
a‘ und ihm den Namen verliehen, der über jedem Namen (ist), 9b
b damit unter Anrufung des Namens Jesu 10a
c jedes Knie sich beuge 10b
c‘ und jede Zunge akklamiere: 11a
b‘ «Herr ist Jesus Christus!» 11b
b‘‘ – zur Ehre Gottes des Vaters! 11c

Weithin unbestritten ist die Gliederung in zwei Hauptteile, die man innerhalb des Hymnus-, Lied- oder Psalm-Paradigmas als «Strophen» bezeichnen kann: Mit V. 9 liegt eindeutig ein Neueinsatz und eine tiefe Zäsur vor, das zeigen sowohl die Formulierung διὸ καί («Darum auch»), als auch der Subjektwechsel: War in der ersten Hälfte des Psalms Jesus Christus Subjekt, so ist es nun Gott. Die Zweiteiligkeit des Liedes wird auch durch die beiden Anadiploseis in V. 8c («bis zum Tod am Kreuz!») und 11c («zur Ehre Gottes des Vaters») bestätigt, die die Strophe jeweils abschließen. Mit R. Schwindt kann man von «Zielformulierungen» sprechen.

Auch über die Binnengliederung der ersten Strophe (2, 6–8) besteht inzwischen weitgehend Einigkeit. Wir haben zwei Satzgefüge vor uns: Das erste umfasst die vier Zeilen 6ab.7ab, die Wendungen μοφρὴ θεοῦ (6a) und μορφὴ δούλου (7b) bilden eine deutliche inclusio. Mit 7c beginnt – gegen die Interpunktion im Nestle-Aland – das zweite Satzgefüge, sein Hauptsatz steht in 8a: «Er erniedrigte sich selbst».

Umstritten ist allerdings, wie sich die beiden Satzgefüge der ersten Strophe, V. 6a–7b und V. 7c–8c, inhaltlich zueinander verhalten. Während manche Ausleger darin den Weg Christi in zwei Phasen geteilt sehen – 1.) die Preisgabe des göttlichen Seins in das menschliche, 2.) die Preisgabe des menschlichen Seins in den Tod –, sehen andere in 6ab.7ab den Tatbestand der Erniedrigung, in 7c–8c dagegen erläuternd den Weg oder auch die Art und Weise der Erniedrigung ausgesagt.

Die zweite Strophe (2, 9–11) besteht dagegen aus einem einzigen Satzgefüge, seine Zeilen sind ebenfalls in Parallelismen angeordnet, wobei diese in V. 10a–11b allerdings chiastisch verschränkt sind.

Wir beginnen unsere Lektüre des Psalms aber nicht am Anfang, sondern am Ende, und wenden damit ein bekanntes Prinzip biblischen Erzählens frei auf diesen Text an: Biblische Erzählungen sind von ihrem Erzählziel her konzipiert. Da unser Christuspsalm ebenfalls narrativ angelegt ist, also eine Geschichte erzählt, dürfte dieser Zugang berechtigt sein. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

Zurück zur Startseite

Sie haben die Wahl ...
weitere Infos zu unseren Abonnements

Komfortabler Online-Bereich mit Archiv-, Download- und Suchfunktion sowie komplettem Autorenregister.

Online-Ausgabe einsehen

Online-Ausgabe bestellen
Jahresverzeichnis 2019

Hier erhalten Sie das Jahresverzeichnis 2019
Unsere Autoren
Hier erhalten Sie einen Überblick unserer Autoren.
Newsletter
Unser Newsletter informiert Sie über die Inhalte der neuesten Ausgabe.
Die internationalen Ausgaben von Communio
Internationale Ausgaben von Communio
Internationale Ausgaben von Communio finden Sie hier.
Verein der Freunde und Förderer Communio e.V.
Allgemeines zu unserem Verein
Sie wollen unserem Verein beitreten?
Vereinssatzung

Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Communio
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | Sitemap | AGB | Widerruf | Datenschutz | Impressum