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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
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JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
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JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
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Leseprobe 2
Gisbert Greshake
MISSION UND KENOSIS
Ein Grundgedanke Albert Peyriguères
Um Albert Peyriguère ist es in den letzten Jahrzehnten still geworden, mindestens in den deutschsprachigen Ländern. Während noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem damaligen lebhaften Interesse an Charles de Foucauld auch Peyriguère «entdeckt» wurde und drei seiner Schriften auch eine Übersetzung ins Deutsche fanden, kennen heute nur noch wenige seinen Namen, geschweige denn seine geistlichen Impulse. Bevor darum im Folgenden eine wichtige geistliche Einsicht Peyriguères zum Thema «Kenosis» entfaltet werden soll, ist es angesichts seines heutigen «Vergessenseins» wohl angebracht, einige biographische Notizen vorauszuschicken.

1. Wer ist Peyrigùere?

Albert wurde am 28. September 1883 in Trébons (Hautes-Pyrénées) als Sohn einer einfachen, sehr armen Handwerkerfamilie geboren. Als er 5 Jahre alt war, siedelte die Familie wegen wirtschaftlicher Notlage nach Talence, einem Vorort von Bordeaux, über. Nach dem Besuch der Volksschule und Höheren Schule trat er in das Priesterseminar von Bordeaux ein, wo er am 8. Dezember 1906 zum Priester geweiht wurde. Nach der Weihe wurde er Schulseelsorger, setzte dabei aber seine Studien fort, die er im Juli 1909 mit der Licence ès lettres am Institut Catholique, Paris, abschloss. Anschließend begann er dort eine Dissertation über Bernhard v. Clairvaux und die Mystik seiner Zeit, wurde aber vor deren Abschluss von seinem Bischof zurückgerufen, um eine Lehr- und Leitungstätigkeit am «Kleinen Seminar» von Bordeaux aufzunehmen. Im Ersten Weltkrieg war er als Sanitäter eingesetzt, erlitt mehrfach Verwundungen und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Wegen Tapferkeit und heldenhaften Einsatzes beim Abtransport von Verwundeten wurde er mehrfach ausgezeichnet. Nach dem Krieg ging er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nach Tunesien, wo er sich in der milden Luft Nordafrikas zu erholen hoffte, aber auch um seine Sehnsucht zu erfüllen, als Priester nicht nur schon christliche Europäer zu begleiten, sondern auch Moslems, Nichtglaubende, zu Christus zu führen. In Tunesien kam ihm die Biographie von René Bazin über Charles de Foucauld in die Hände. Sie wurde für ihn, wie für viele, viele andere, zum entscheidenden auslösenden Moment einer geistlichen Neuorientierung seines Lebens nach dem Vorbild Bruder Karls, dessen spirituelle Anstöße er ganz bewusst aufgreifen und weiterführen will.

Nach einigen Umwegen lässt er sich in Marokko und zwar in El Kbab (in der Nähe von Khenifra), einem Dorf von damals etwa 1000 Einwohnern auf ca. 1200 m Höhe, nieder, um in einem damals halbnomadischen Berberstamm des Mittleren Atlas zu bleiben und das Leben der extrem armen Bevölkerung ganz nach dem Modell Bruder Karls zu teilen. Hier setzt er sich dreißig Jahre lang mit äußerster, radikalster Hingabe für die Armen, Hungernden und ungerecht Behandelten, vor allem aber für die Kranken ein. Für letztere gründete er eine Krankenstation, in der er stundenlang tätig war, da eine nie abreißende Schlange von Hilfesuchenden aus einem Umkreis von bis zu über 50 km ihn förmlich «belagerte» (an Markttagen bis zu 200 Personen!). Insgesamt dürfte im Schnitt die Hälfte seiner Tageszeit den Armen und vor allem Kranken gewidmet gewesen sein. In ihnen «berührt» er geradezu «physisch den Leib Christi», wie er schreibt. Bis hin zu Kleidung und Nahrung, Schlafweise und Lebensstil teilt er buchstäblich das Leben des ihn umgebenden Berber-Stammes. Nur selten verlässt er seine Einsiedelei, um in Marokko oder Frankreich Exerzitien und Einkehrtage zu geben. Nicht zuletzt engagiert er sich politisch gegen die «unvorstellbaren» Ungerechtigkeiten der Kolonialmacht und bekämpft die Verstöße gegen Menschenwürde (Folterungen) und Gerechtigkeit. Wegen seiner politischen Aktivitäten erleidet er viele Nachstellungen und Schwierigkeiten, so dass er selbst schreibt: «Auch ich bin ein Märtyrer der Unabhängigkeit [Marokkos]».

In all dem verstand er sich selbst als «Weiterführung» dessen, was Charles de Foucauld initiiert und vorgelebt hatte. Er stellt sich vor als «l’homme du message du Père de Foucauld» und bekennt von sich selbst: «Das ganze Christentum Christi – das hat P. de Foucauld mich gelehrt», doch möchte er in theologische Lehre verwandeln, was bei Charles de Foucauld eher Intuition, Ausdruck lebendigen Lebens ist als System. Als von innen her mit der Spiritualität Foucaulds vertraut, berät er auch einige junge Männer aus dem Priesterseminar St. Sulpice, Paris, die unter der Ägide von René Voillaume die Gründung einer Ordensgemeinschaft in den Spuren Foucaulds in Betracht zogen («Kleine Brüder Jesu»). Doch schließt er selbst sich dem nicht an, sondern lebt auf seine Weise das, was Bruder Karl vorgelebt hat.

2. Die Vor-Gaben Foucaulds

Gleich wie Foucauld entdeckt er im Ideal, «Nazaret» (Alltag, Gewöhnlichkeit, unbedingte Solidarität mit dem Nächsten) zu leben, die radikale Pointe einer Theologie der Inkarnation, die das Geheimnis der unbedingten Präsenz Gottes unter uns Menschen glaubhaft im eigenen Leben zu bezeugen sucht. Gleich wie er sieht er in diesem Lebenszeugnis «Nazaret» die eigentliche Chance für eine gelingende Mission. Gleich wie er will er ein «christlicher Marabut» sein, besser noch: ein «Mönch-Missionar». Gleich wie er bemüht er sich um die Erforschung der Berber-Sprache und -phonetik und sammelte die Lieder und Traditionen seiner Umgebung (vieles davon ist bis heute unveröffentlicht!). [...]


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