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Herausgeber und Redaktion
THOMAS SÖDINGThomas Söding Professor für Neues Testament,
Universität Bochum
JAN-HEINER TÜCK
Jan Heiner Tück Professor für dog-
matische Theologie, Universität Wien
JULIA KNOP
Julia Knop Prof. für Dogmatik an der Katholisch-Theologi- schen Fakultät der Universität Erfurt
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Anton SvobodaAnton Svoboda,
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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/com.2020.3.254–263
Christine Müller
MITTENDRIN: IM LEBEN. IN DER VERHEISSUNG. IN DER HERAUSFORDERUNG
Missionarisches Ordensleben in Großstädten
Frankfurt am Main. Messestadt, Börsenstadt, ungefähr 750.000 Einwohner aus 177 Nationen, Bankentürme neben Konsumräumen, Vertretungen aller Weltreligionen. Die Stadt atmet Pluralität, Veränderungsbereitschaft, es sind Geschäftsleute, Straßenkünstler, Wohnungslose, Gutbürgerliche anzutreffen – und Ordensleute, mittendrin. Als Teil der Stadt haben sie Anteil an deren Leben, deren Verheißung, deren Herausforderungen. Und sie tragen ihr eigenes Lebenszeugnis, die sie erfüllende Verheißung, die von ihnen ausgehenden Herausforderungen in die Stadt hinein.

Mit nicht einmal einer Million Einwohnern ist Frankfurt trotz Skyline und Flughafen freilich ein Zwerg im Reigen der Großstädte und Megacitys in ihren unfassbaren Ausmaßen weltweit. An ihnen lässt sich ablesen, dass der Trend der Urbanisierung sich ungebrochen fortsetzt: Während im Jahr 1950 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten, waren es 2018 bereits 55 Prozent, und diese Zahl wird sich voraussichtlich auf 68 Prozent im Jahr 2050 steigern. Die Gründe für die Anziehungskraft der Städte sind vielfältig und mit Hoffnung verbunden: Hoffnung auf Arbeit, bessere Lebensumstände, Verwirklichungsmöglichkeiten. Eine weitere Hoffnung tragen Christinnen und Christen in die Städte hinein, darunter auch Ordensleute. Sie stellen zwar innerhalb der Großstädte eine verschwindend kleine Gruppe dar, doch wollen sie die ihnen aufgetragene Frohe Botschaft verkünden. Deshalb fragen Ordensleute neu nach ihrer Beziehung zu modernen Städten und wie sie ihre Mission darin leben können.

1. Zu den Grundlagen missionarischen Ordenslebens

Ursprünglich entstand Ordensleben jedoch aus dem genau umgekehrten Impuls. Die Einsiedler im 3./4. Jahrhundert zogen aus der Stadt hinaus, um deren Ablenkungen und Versuchungen zu entkommen und in der Wüste Gott zu suchen. Sie wollten sich ganz und ausschließlich Gott widmen. Dieser Grundimpuls ist im Ordensleben bis heute in der Weihe bewahrt. Bald schon entstanden in der Wüste auch Gemeinschaften, die sich durch die gemeinsame Ausrichtung auf Gott auszeichneten. Das Miteinander bot zudem die bisweilen unbequeme Gelegenheit, neben der Gottesliebe auch konsequent die vom Herrn aufgetragene Nächstenliebe zu üben. Im Verlauf der Geschichte öffneten sich die ursprünglich monastischen Gemeinschaften immer mehr hin zu den Städten und zur Welt. Es entstanden neue Formen von Ordensgemeinschaften, deren Wurzeln zwar in der Wüste sind, die sich aber explizit zu den Menschen in Stadt und Welt gesandt verstanden.

Weihe (Consecreatio), Gemeinschaft (Communio) und Sendung (Missio): Diese drei Punkte können als Grundelemente des Ordenslebens benannt werden. Wie aber deutlich wurde, unterscheiden sich Ordensgemeinschaften gerade in ihrem Sendungsverständnis stark. In der neueren Ordenstheologie werden drei Modelle vorgeschlagen, die verschiedene Schwerpunkte zum Ausdruck bringen. Als «Stadt auf dem Berg» kann Ordensleben durch das gemeinschaftliche, dem Evangelium gemäße Leben auch innerhalb von Großstädten weithin erkennbar sein und zur Orientierung dienen. Ordensleute, die sich nach dem Modell der «Wanderapostel» verstehen, suchen die Menschen in den verschiedenen Städten auf und verkünden dort das Evangelium in Wort und Tat. Beim Modell des «Sauerteigs» teilen Ordensleute ganz das Leben ihrer Mitmenschen und verwandeln durch ihr Lebenszeugnis nach und nach ihr Umfeld.

So unterschiedlich diese äußeren Lebensgestalten sein mögen, sie haben alle dieselbe Basis und dasselbe Ziel, denn jede christliche Mission ist zurückgebunden an die Missio Dei. Wie der Sohn gesandt wurde, den Menschen Gottes Heil erfahrbar zu machen und sie in die göttliche Liebesbeziehung hineinzunehmen, so sandte nach biblischer Bezeugung Jesus seine Jüngerinnen und Jünger aus, das Evangelium zu verkünden. Indem sie dies tun, wissen sich die Christen bis heute hineingenommen in die Sendung des Sohnes, getragen und befähigt durch die Sendung des Heiligen Geistes. Die Erfüllung des Auftrags Jesu, die Verkündigung des Evangeliums, ist auf vielfältige Weise möglich, durch Zeugnis (Martyria), durch den Dienst am Nächsten (Diakonia), durch Liturgie (Leiturgia).

Bezogen auf Ordensleben lässt sich demnach festhalten, dass jegliches Ordensleben, apostolisch oder kontemplativ, dem Wesen nach missionarisch ist – freilich mit unterschiedlichen Akzentsetzungen in der Realisierung der Sendung. Historisch wurden nicht nur in der Missionsarbeit der Orden die Territorialmission, Erstevangelisierung und Wortverkündigung stark betont und der Fokus auf die Eingliederung in die verfasste Kirche gelegt. Diese Verengungen können jedoch als überwunden gelten, sodass das eigentliche Ziel von Mission in der oben beschriebenen Weite und Anziehungskraft neu aufscheinen.

Dieses Ziel von Mission fand in der Offenbarung des Johannes einen metaphorischen Ausdruck, der im Blick auf das Thema dieses Artikels neu ins Auge springt: Das Bild der himmlischen Stadt drückt die endgültige Erfüllung des göttlichen Heils bzw. das vollendete Reich Gottes aus. «Die heilige Stadt, das neue Jerusalem, [kommt] von Gott her aus dem Himmel herab» (Offb 21, 2), sie ist «die Wohnung Gottes unter den Menschen» (Offb 21, 3). Der missionarische Einsatz kann also das Reich Gottes nicht «herstellen», das endgültige Heil der Menschen kommt vielmehr ganz von Gott her. Es verwirklicht sich nicht nur für den Einzelmenschen als solchen, sondern es ereignet sich in und für die gestaltete Gemeinschaft der Menschen (Stadt), deren zentraler Bezugspunkt Gott selbst ist.

Ordensleben ist von dieser Vision durch die evangelischen Räte innerlich durchstimmt. Deren Radikalität und insbesondere der Rat der Jungfräulichkeit geben der Lebensform eine starke eschatologische Ausrichtung. Die Erwartung des kommenden Gottes und seiner Herrschaft wird durch die evangelischen Räte ins Leben, ja ins Fleisch der Ordensleute eingeschrieben, auch und gerade im Blick auf den mit den Räten einhergehenden Verzicht, der nur so positiv lebbar wird.

Dem positiven Bild des himmlischen Jerusalems sind biblisch zahlreiche Städte gegenübergestellt, die das Gegenteil verkörpern: beispielsweise Babylon, Sodom und Ninive sind Ausdruck der Gottesferne, der Eigenmächtigkeit des Menschen, in der das Böse um sich greift. Immer wieder sendet Gott nach biblischer Bezeugung Propheten, die in Seinem Namen Kritik üben. Prophetische Kritik, die teils Gehör findet, teils aber auch zur Ablehnung der Gesandten führt.

Das Aufkommen neuer Ordensgemeinschaften kann ebenfalls als prophetische Kritik gedeutet werden. Denn neue Orden entstanden je als Antwort auf Missstände oder konkrete Nöte in Kirche und Welt. Kardinal Kasper charakterisiert Orden deshalb auch «[a]ls Einbrüche und Aufbrüche des Geistes Gottes in der Kirche» und darin als «Antwort Gottes auf den jeweiligen Ruf der Zeit». Das so als von Gott getragen zu deutende Wirken der Ordensleute dient der «Berufung aller zur Heiligkeit» (LG 43) und natürlich dem Wachstum des Reiches Gottes (LG 44). Ekklesiologisch wird Ordensleben darum in der charismatisch-prophetischen Dimension der Kirche verortet.

Zeigten die bisherigen Gedanken v. a. die innere Bestimmung missionarischen Ordenslebens auf, so stellt sich nun die Frage, wie das Evangelium unter den Bedingungen moderner Großstädte weitergegeben werden kann. Ordensleute sind erfüllt von der Frohen Botschaft – was braucht es, damit die gute Nachricht auch die Menschen in der Stadt mit ihrer Hoffnung und Freude erfüllen kann? [...]


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