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Editorial DOI: 10.14623/com.2021.1.1–3
Holger Zaborowski
NACH GOTT FRAGEN
Vor über 50 Jahren erschien im Kösel-Verlag der Band Wer ist das eigentlich – Gott? mit Beiträgen zahlreicher Autoren wie Karl Rahner, Bernhard Welte, Albert Görres, Robert Spaemann, Bernhard Vogel, Heinrich Rombach, Joseph Ratzinger oder Johann Baptist Metz. Dieser Band ging auf eine 1968 ausgestrahlte Sendereihe des Süddeutschen Rundfunks zurück und erschien wenige Jahre später als Taschenbuch im Suhrkamp Verlag. In seinem Vorwort schrieb der Herausgeber Hans Jürgen Schultz: «Die Frage ‹Wer ist das eigentlich – Gott?› stammt von Kurt Tucholsky. Es ist eine Frage unserer Zeit. Sie wird kaum noch mit Ironie oder Polemik, sondern eher in einer Verbindung von Neugier und Interesse vorgetragen. Sie wird immer häufiger gestellt. Sie wird immer seltener beantwortet.»1 Auch die Gottesfrage gehört also zur viel beschworenen Suhrkamp-Kultur – nicht nur in jenem posttheistisch-provokanten Sinne, den ihr Peter Sloterdijk jüngst etwa in Den Himmel zum Sprechen bringen. Elemente der Theopoesie oder in Nach Gott gegeben hat2, sondern auch im Sinne eines christlich-glaubenden Ringens darum, ob Gott sei und, falls ja, wer er eigentlich sei – nicht einfach nur «an sich», sondern für uns Menschen in einer bestimmten Gesellschaft, in einer konkreten Geschichte, mit alltäglichen Erfahrungen. Der Band erschien bis 1985 in vier Auflagen. Das spricht für ein tatsächlich breites Interesse an dieser Frage – und an den Versuchen, sie zu beantworten, vielleicht gerade weil sie ansonsten so selten beantwortet wird.

Die Diagnose des Herausgebers ließe sich heute ähnlich treffen. Tucholskys Frage ist von bleibender Bedeutung. Auch wir heutigen, spätmodernen Menschen fragen am Anfang eines neuen Jahrhunderts mit neuen Herausforderungen und Krisen immer noch und immer wieder nach Gott. Auch wir stellen die Gottesfrage weniger ironisch und polemisch als vielmehr neugierig und interessiert: Wer ist das eigentlich – Gott? Und manchmal, vielleicht etwas vorsichtiger, verschämter fragen wir auch: Wer bist Du eigentlich – Gott? Und vielleicht fehlen uns auch manche Antworten, die früheren Generationen vielleicht leichter zugänglich waren, und fragen mit den Suchenden, den Zweifelnden und den Verzweifelten der Geschichte: Wo bist Du eigentlich – Gott? Gibt es Dich eigentlich – Gott? Viele weitere Fragen hängen von diesen grundsätzlichen Fragen ab: Was kann uns das menschliche Nachdenken über Gott überhaupt sagen? Kann man Gott «beweisen»? Wenn es denn Gott gäbe, was würde dies bedeuten? Wenn er nicht existierte, was wäre dann überhaupt anders? Und – eine vielleicht neue, ebenfalls ganz ohne Polemik und Ironie gestellte Frage: Bewegt alle Menschen die Frage nach Gott? Muss diese Frage alle mit Neugier und Interesse erfüllen? Leben wir nicht nur nach, sondern auch ganz ohne Gott ganz gut?

So wie man sich vor 50 Jahren die Gottesfrage stellte (dass nur Männer diese Frage stellten, wäre heute nicht mehr möglich!), müssen wir dies heute tun. Manches verbindet uns mit den Zugängen der späten 1960er Jahre. Vieles trennt uns auch. Gott bleibt, in den Worten Robert Spaemanns, ein «unsterbliches Gerücht», eine Kunde, die uns immer wieder aufhorchen und nachfragen lassen kann. Haben wir überhaupt verstanden, was mit der Frage nach Gott zur Frage wird?

Das vorliegende Heft der COMMUNIO greift diese Frage – für nicht wenige Menschen die Frage aller Fragen – auf. Dabei nimmt zunächst Magnus Lerch mit dem Beitrag «Wenn ohne Gott nichts fehlt» das Phänomen religiöser Indifferenz in den Blick und entwickelt ein engagiertes Plädoyer für eine universalistisch orientierte, aber für die Kontingenz(en) des menschlichen Lebens sensible Form theologischer Glaubensverantwortung. Die systematische Grenze, aber auch die bleibende Größe und Bedeutung der Gottesbeweise zeigen Johannes Grössl und Matthias Remenyi in einer überzeugenden Auseinandersetzung mit der Tradition des ontologischen Arguments und der auf den Anspruch von Wahrheit bezogenen Überlegungen zur Existenz Gottes. In das umfassende Werk des französischen Phänomenologen und Gottesdenkers Jean-Luc Marion führt Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz kenntnisreich ein und würdigt es in seiner Bedeutung für die gegenwärtige Philosophie und Theologie. Die These, dass Gott ‹unbrauchbar› sei, hat Burkhard Müller entwickelt. Stephan Plettscher antwortet pointiert darauf und fordert auch vom Atheismus die Bereitschaft zu einem wirklichen Dialog mit den Menschen, die an Gott glauben – um der Wahrheit und der Freiheit willen. Inwiefern das derzeit intensiv diskutierte transhumanistische Denken der Technologie selbst eine erlösende Bedeutung zuschreibt und was dies für den Menschen, Gott und den Glauben an Gott bedeutet, erörtert Gabriel Franke. Hans Maier führt in einer prägnanten geschichtlichen Betrachtung die Bedeutung der Gottesformel in Vertrags- und Friedensschlüssen und in Verfassungen vor Augen und empfiehlt dabei im Kontext gegenwärtiger Debatten die Lösung der polnischen Verfassung, die sich sowohl an die Menschen, die an Gott glauben, wie auch an jene anderen, die diesen Glauben nicht teilen, aber trotzdem universelle Werte vertreten, richtet. Welche Spuren die Erfahrung des Gottes- und Glaubensverlustes – und teils der Wiederaneignung des Glaubens an Gott – in der Literatur des 20. Jahrhunderts hinterlassen hat, verdeutlicht Helmuth Kiesel in treffenden Miniaturen anhand der Werke von Döblin, Broch, Benn, Brecht, Langgässer, Celan und Walser. Gott, so alle Beiträge dieses Heftes, regt immer noch zum Fragen an. Und wenn man diese Fragen ernst nimmt, zeigen sich auch Wege, mögliche Antworten auf sie zu finden.

Anmerkungen
1 Hans Jürgen Schultz, Vorbemerkungen, in: Wer ist das eigentlich – Gott?, hg. von Hans-Jürgen Schultz, Frankfurt/M. 1973 (EA: München 1969), 9.
2 Peter Sloterdijk, Nach Gott, Berlin 2018; Ders., Den Himmel zum Sprechen bringen. Elemente der Theopoesie , Berlin 2020.

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