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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/com.2022.3.277–286
Benedikt Kranemann
DIGITAL EUCHARISTIE FEIERN?
Liturgiewissenschafftliche Anmerkungen zu einer Debatte in Theologie und Kirche
1. Liturgie im digitalen Raum als neue Selbstverständlichkeit

Die Corona-Pandemie hat ein Thema in die Diskussion gebracht, das zuvor in der deutschsprachigen liturgiewissenschaftlichen Debatte eher am Rande eine Rolle spielte: Liturgie im digitalen Raum, oder anders formuliert: die Digitalisierung der Liturgie. Eine solche Diskussion über das Streaming von Gottesdiensten u. Ä. in und nach der Pandemie war nach der umfangreichen wissenschaftlichen Debatte über Fernsehgottesdienste zu erwarten. Dass Liturgie «im Netz» sehr selbstverständlich begegnet, dass viele Gemeinden entsprechende Angebote unterbreiten, dass sich einzelne Gruppen und Initiativen via Skype oder Zoom zu Liturgien treffen, zeigt, wie rasch die Digitalisierung auch die Kirche ergriffen hat. Es kann von einem regelrechten Digitalisierungsschub infolge der Pandemie gesprochen werden. Dieser Prozess nahm an der Basis seinen Ausgang. Gemeinden, Orden, Verbände, einzelne Gruppen und Personen sind initiativ geworden und haben von sich aus Projekte gestartet, und dies ohne Rückversicherung, was erlaubt sei.

Seitens der Kirchenleitung gab es einzelne Stellungnahmen, 2022 ein interessantes «working paper» des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Aber man konnte oder wollte die entsprechenden Prozesse nicht steuern. Nicht vergessen werden darf, dass der Aufbruch (auch) der Liturgie ins digitale Zeitalter mit einer massiven Krise der katholischen Kirche zusammenfiel. Viele Gewissheiten über das, was Kirche ausmacht, sind geschwunden, kirchliche Autorität ist in die Krise geraten und geradezu zerfallen, neue Rollenmodelle und Partizipationsformen werden ausprobiert. Die Digitalisierung ereignet sich in einer Zeit weitreichender Umbrüche, was vielfältige Experimente notwendig gemacht und erleichtert hat. Bei vielem, was ökumenisch zu Liturgie im digitalen Raum zu sagen wäre, darf die jetzige Situation der katholischen Kirche nicht vergessen werden.
Die Frage nach Liturgie im digitalen Raum wirft grundsätzliche liturgietheologische wie - ästhetische Fragen auf. Die wissenschaftliche Diskussion ist längst nicht beendet, insbesondere dann, wenn es um die Möglichkeit digitaler Eucharistiefeiern geht. Über letztere lässt sich aber nur reden, wenn generell digitale Liturgie in den Blick genommen wird. Insgesamt ist eine sehr differenzierte und immer wieder neu fragende und suchende theologische Exploration notwendig. Zumal die ernsthaften Bemühungen unter der Pandemie zu würdigen sind, Glauben auch in der Liturgie auf digitalem Wege lebendig zu halten.

2. Was meint «Liturgie» im digitalen Raum?


Mit «Digitalisierung» sind für die Liturgie sehr unterschiedliche Möglichkeiten angesprochen. Gottesdienste werden gestreamt, wobei ein Antwortkanal («Chat») vorhanden sein kann, aber nicht muss. Verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten zeichnen sich ab. Liturgie kann als abrufbares Video bereitstehen, wird dann nicht zeitgleich mitgefeiert. Es gibt Liturgien, die wie in einem Videoclip aus verschiedenen Sequenzen zusammengeschnitten sind, also nicht nur den zeitlichen Zusammenhang auflösen, sondern auch ein neues, dem Medium angepasstes Format darstellen. Es begegnen Liturgien, die in einer geschlossenen oder offenen Gruppe via Skype, Zoom, Webex etc. gefeiert werden und auf gemeinsames Handeln hin angelegt sind. Man findet zudem Feiern, in denen verschiedene Gemeinden vor Ort zusammengeschaltet werden, um so in einer Liturgie die Verbindung z. B. in einer Ortskirche zur Erfahrung zu bringen.

Die sonntägliche Messfeier, aber auch Tagzeitenliturgien aus Klöstern begegnen als gestreamte Liturgien. Einzelne Feiern des Kirchenjahres, beispielsweise Aschermittwochsgottesdienste, Liturgie am Karfreitag oder die Osternacht, wurden digital gefeiert. Zugleich existieren unterschiedliche Situationen für solche Liturgien. Ein besonderes Gewicht haben sie in der Pandemie, also einer Notsituation, erhalten. Für viele wäre eine andere Form der (Mit-)Feier einer Liturgie als über digitale Medien oder das Fernsehen nicht möglich gewesen. Das gilt ebenso für Menschen, die gesundheitlich besonders gefährdet oder gar selbst infiziert waren.

Daneben haben sich kirchlich und liturgisch Enttäuschte zu eigenen digitalen Gottesdienstgruppen zusammengeschlossen. Das Phänomen ist in seiner Breitenwirkung schwer einzuschätzen. Manche, die die Liturgie in ihrer Gemeinde vor Ort nicht (mehr) ansprechend finden, haben hier gemeinsam neu liturgische Beheimatung gefunden. Dabei sind zum Teil neue liturgische Formen entstanden, manchmal mit einer Mahlfeier, manchmal als reine Wortgottesdienste. Digitale Personalgemeinden haben sich gebildet. Einzelne Priester haben mit solchen Gemeinden digital (auch) die Eucharistie gefeiert.

2020 wurde inmitten der Pandemie die Frage nach der Missa sine populo neu zum Streitpunkt, nachdem immer wieder Messfeiern gestreamt wurden, in denen nur der Priester als Handelnder zu sehen war. Das konnte technische Gründe haben, da anfangs der Pandemie manche mit der entsprechenden Technik wenig vertraut waren und nur eine Kameraeinstellung realisieren konnten. Das Bild von Kirche und von Liturgie, das hier weitergereicht wurde, entsprach nicht dem Ideal einer gemeinschaftlich gefeierten Liturgie. Eine Umfrage, die im Bistum Rottenburg-Stuttgart durchgeführt wurde, enthält auch Äußerungen einzelner Priester, sie hätten die Messe ohne Gemeinde als spirituelle Bereicherung empfunden. Solche Selbsteinschätzungen geben dem Streaming eine besondere Nuance und zeigen, welche unterschiedlichen Motive im Spiel sein können. Zugleich wäre die Frage der Innen- wie Außenwirkung solcher Feiern zu stellen.

Entsprechend unterschiedlich gestalten sich die Partizipationsmöglichkeiten, die nach katholischem Verständnis für jede Liturgie vorausgesetzt werden müssen. Von einer aktiven Teilnahme durch Mitbeten und Beteiligung an den zentralen liturgischen Handlungen in einer Gemeinschaft bis zur ‹passiven› Anteilnahme an dem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, reicht das Spektrum. Und nicht vergessen werden dürfen die Aufzeichnungen von Gottesdiensten, auch von Eucharistiefeiern, die zu jeder beliebigen Zeit abgerufen werden können. Liturgietheologisch betrachtet ist jene Eucharistiefeier sinnvoll, zu der sich eine Gemeinde versammelt, die mit differenzierten Rollen gemeinsam feiert. Menschen bringen sich in die Feier in Gemeinschaft ein und bilden Kirche. Eine spirituelle Wirkung kann aber auch die Aufzeichnung einer solchen Liturgie entfalten, wiewohl sie sich deutlich von der Feier in Gemeinschaft unterscheidet. Man wird also situationsbezogen fragen und die unterschiedliche Beteiligung Einzelner akzeptieren müssen. [...]


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