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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/com.2022.4.361–376
Walter Kardinal Kasper
DAS ZWEITE VATIKANUM UND DIE NACHKONZILIAREN SYNODEN
Aufbrüche – Krisen – Erwartungen
Als Papst Franziskus bei der Feier des 50jährigen Jubiläums der Bischofssynode am 17. Oktober 2015 seine Vision für den Weg der Kirche ins dritte Jahrtausend formulierte und dabei Synodalität als die Berufung und Sendung der Kirche bezeichnete, schien diese Ankündigung vielen geradezu revolutionär. In Wirklichkeit ist die Erneuerung der Synoden die konservativste Reform, die man sich denken kann. Seit dem 2. Jahrhundert gehören Synoden bzw. Konzilien (beide Begriffe wurden lange Zeit nicht unterschieden) zum Leben der Kirche. Besonders an Brennpunkten der Kirchengeschichte waren Synoden jeweils von ausschlaggebender Bedeutung.

1. Der lange und holprige Weg der Vorbereitung

Bereits das erste allgemeine Konzil von Nikäa (325) hat jährlich zwei Synoden gefordert. Nach der Krise der Reformation hat das Konzil von Trient (1545–63) die alte Tradition regelmäßiger Provinzial- und Diözesansynoden erneuert. Karl Borromäus, Vorbild des nachtridentinischen Reformbischofs, hat sich in Mailand dieser Aufgabe mit großem Eifer gestellt. Insgesamt hielt sich das Echo auf die Trienter Vorschrift jedoch in Maßen. In Konstanz, dem größten Bistum diesseits der Alpen, fanden im 16.–18. Jahrhundert nur zwei Synoden statt (1567 und 1609), in Wien seit der Gründung im Jahr 1459 bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil nur eine Synode. Anders als im alten Europa fiel die Vorschrift des Trienter Konzils in den damaligen Missionskirchen und in den jungen Kirchen auf fruchtbaren Boden. Die Entwicklung der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist ohne die seit 1829 regelmäßigen Provinzialsynoden und drei Plenarsynoden (1852, 1866, 1884) gar nicht zu denken. In vielen damaligen Missionsländern und jungen Kirchen fanden ebenfalls wichtige Nationalsynoden statt: Indien (1844), Afrika (1901,1906) Japan und Korea (1931).

In Europa hatten die Nationalkonzilien vor allem in Spanien und Frankreich eine alte und lange Tradition. In der Neuzeit brach in den Auseinandersetzungen mit dem Gallikanismus und Episkopalismus jedoch der alte Antagonismus von Primats- und Konzilsidee neu auf. Rom verhielt sich darum misstrauisch und abwehrend gegen die Idee von Nationalkonzilien. Als die Synode von Pistoia (1786) mit Verweis auf die gallikanischen Artikel von 1682 die Idee eines Nationalkonzils äußerte, wurde diese von Rom prompt zurückgewiesen.

Nach dem Zusammenbruch der Reichskirche im Gefolge der napoleonischen Revolutionskriege wurde in den einsetzenden Aufbruchsbewegungen bei J. B. Hirscher, J. S. Drey, F.A. Staudenmaier und I. H. Wessenberg der Ruf nach Synoden wieder laut. Das wiederholte sich anlässlich der bürgerlichen Revolution von 1848. Doch es blieb zunächst eine Episode. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vollends bei der Abwehr des Modernismus und der reformkatholischen Tendenzen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts obsiegten die restaurativen Kräfte. Die vorgezogene und isoliert vorgenommene Dogmatisierung des Jurisdiktionsprimats und der Unfehlbarkeit des Papstes beim I. Vatikanischen Konzil (1869/70) führte zu einer Kopflastigkeit der Kirche. Kardinal Louis Billot (1846–1931) meinte, da nun der Papst alles selbst entscheiden kann, sei die Epoche der Konzilien zu Ende und aufwendige Konzilien fortan nicht mehr nötig.

Doch schon Pius XI. und XII. trugen sich mit dem Gedanken eines allgemeinen Konzils. Zum Durchbruch der Konzils- und der Synodalidee kam es, als Johannes XXIII. am 25. Januar 1959 in St. Paul vor den Mauern völlig überraschend die Einberufung einer römischen Diözesansynode und eines ökumenischen Konzils ankündigte. Angelo Roncalli hatte sich in früheren Jahren mit den Synodenakten des Karl Borromäus befasst und war mit der synodalen Reformidee vertraut. Die Ankündigung eines Konzils machte nun den Weg frei für eine Rehabilitation der Reformideen des frühen 19. Jahrhunderts und der Erneuerungsbewegungen zwischen den beiden Weltkriegen. Auch die Erfahrungen der jungen Kirchen konnten nun für die universale Kirche fruchtbar werden. Der Weg jedoch erwies sich als mühsamer und schwieriger als gedacht.

2. Zweites Vatikanisches Konzil – Grundlegung der Synodalität


Johannes XXIII. widersprach in seiner Rede zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 allen Unheilspropheten und sah sich mit seinem Programm des aggiornamento am Anfang einer neu heraufziehenden Epoche. Vorbereitet durch die theologischen Aufbrüche vor allem in Frankreich und Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen fiel seine Initiative auf fruchtbaren Boden. Die fortschrittlichen Kräfte auf dem Konzil waren eigentlich Konservative, welche die Verengungen der nachtridentinischen Epoche durch Rückgriff auf die biblischen und patristischen Quellen aufzubrechen versuchten. Einem einseitig hierarchischen Verständnis der Kirche von oben nach unten stellten sie das Bild der Kirche als Volk Gottes und als communio, d.h. als gemeinsame Teilhabe aller Getauften an der einen Heilswirklichkeit, entgegen. Durch die gemeinsame Teilnahme an dem einen eucharistischen Leib Christi wird die Kirche als der ekklesiale Leib Christi auferbaut.

Schon die Liturgiekonstitution des Konzils sprach von der vollen, bewussten und tätigen Teilnahme aller an der liturgischen Feier (SC 14; 48 u.a.). Der Durchbruch gelang vollends bei der Debatte über die Kirchenkonstitution Lumen gentium. Das vorbereitete Schema, das mit der hierarchischen Verfassung der Kirche einsetzte, wurde zurückgewiesen. In der endgültigen Fassung ging die Konstitution vom Verständnis der Kirche als sakramentalem Zeichen der Einheit aller Völker, von dem einen Volk Gottes, dem einen Leib Christi und der Kirche als Bau im Hl. Geist aus. Die hierarchische Struktur kam erst in diesem Gesamtrahmen zu Wort.

Der Perspektivenwechsel von einer vertikalen Sicht von oben nach unten zu einem gemeinschaftlichen, partizipativen Verständnis führte zur Erneuerung der Lehre vom gemeinsamen Priestertum (LG 10). Durch die eine Taufe haben alle Getauften Anteil am Propheten-, Priester- und Hirtenamt Jesu Christi und durch den einen Hl. Geist am Glaubenssinn des ganzen Volkes Gottes (LG 12). Alle Getauften sind zum prophetischen Glaubenszeugnis, zur aktiven Mitfeier aller bei der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens (LG 11) und zu der aktiven Mitverantwortung in der Kirche berufen (LG 30–38; AA 2f). Mit dem communialen Kirchenverständnis war zugleich ein einseitig zentralistisches Kirchenverständnis aufgebrochen. Die Verkündigung des Evangeliums, die Feier der Sakramente, besonders der Eucharistie, geschieht normalerweise in den Ortskirchen. So lebt die eine Kirche in und aus den vielen Ortskirchen (LG 23). [...]


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